Editorial

vergänglich, unvergänglich

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 6/2019

„Meine Vorbilder sind Menschen, die die Welt besser machen wollen, die Gesellschaft gerechter für alle, und die dafür mit ihren Mitteln leuchtende Kultur schaffen. Es gibt zum Glück viele von uns, die sich mit Hingabe engagieren, nicht korrumpieren lassen, weiterdenken, kleine Utopien umsetzen.“

Dies ist die sympathische Antwort von Else Laudan auf die Frage nach ihren Vorbildern. Die Hamburger Verlegerin beantwortet dieses Mal unseren Fragebogen – inzwischen eine Institution – auf der letzten Seite unseres Magazins. Viele unserer Leserinnen und Leser blättern das fachbuchjournal genau wegen des Fragebogens von hinten auf. Dieses Mal werden sie ihn allerdings – zum ersten Mal in fast zehn Jahren! – auf den vor- und vorvorletzten Seiten finden. Denn Else Laudan hat mit so großer Hingabe und so herzerfrischend engagiert alle Zeichenvorgaben gesprengt; da fiel mir der Rotstift glatt aus der Hand. Lesen und urteilen Sie selbst.

Neu ist auch unsere Rubrik Fotografie, in der die junge Berliner Fotografin, Autorin und Übersetzerin Kristina Frick nun regelmäßig Neuerscheinungen aus dem Printbereich vorstellen wird. Die Bandbreite reicht dabei von Reportagen und Dokumentationen über Ausstellungskataloge, Kunstbücher bis hin zu Anthologien, Monografien und fotografischen Erzählungen. In diesem ersten Beitrag stellt sie fünf Bücher vor, in denen jeweils ein anderer, ein neuer Aspekt menschlicher Existenz und künstlerischen Schaffens erschlossen wird. Wir freuen uns über diese Bereicherung.

Und natürlich gibt es, wie in jeder Ausgabe, auch in dieser spätherbstlichen Ausgabe eine große Vielzahl von weiteren Themen. Die Auswahl von Sachbüchern über Frauen ist wie immer spannend. Im großen landeskundlichen Teil reisen Sie, wenn Sie wollen, nach Japan, China, Indien, Sri Lanka – und dann noch durchs östliche Europa bis in den Iran. Auf unseren zwei Kinder- und Jugendbuchseiten wird „mehr Gewicht fürs Kindergedicht“ gefordert. Im Fokus stehen Bücher zu Lyrik und Sprachspiel, die oft ein Schattendasein führen. Umso erfreulicher ist es, dass Kinder- und Jugendbuchverlage diesem Thema immer wieder wunderbare Bücher widmen.

Sie werden sicher in dieser Ausgabe des fachbuchjournals wieder ganz besondere Bücher für sich finden. Meine persönliche Entdeckung präsentiere ich Ihnen auf Seite 4: Ré Soupault! Die Bauhaus-Schülerin, Avantgarde-Filmerin, Modejournalistin, Modemacherin, Fotografin, Übersetzerin, Studentin bei Karl Jaspers, Radio-Essayistin, Schriftstellerin, Herausgeberin von Märchensammlungen ist einfach unbeschreiblich. Sie sollten sie selbst für sich entdecken. „Nur das Geistige zählt“ ist ein wirklich wundervolles Buch.

Es gibt also viel Lektüre für behagliche Weihnachtstage. Ich wünsche Ihnen deshalb für diese Zeit viel Ruhe zum Lesen und Nachdenken. Und als gute Vorlage fürs neue Jahr nehme ich mir Ré Soupault zu Herzen: „Die anderen Menschen ändern zu wollen, ist vergebliche Mühe. Uns selbst aber können wir bis zu einem gewissen Grade ändern. Dabei hilft das Unterscheidenlernen zwischen vergänglichen und unvergänglichen Dingen.“

Angelika Beyreuther

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