Nachruf

In Memoriam Ré Soupault

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 4/2021

Martina Kuoni, Manfred Metzner (Hg.), Ré Soupault. »Es war höchste Zeit …«, Eine Avantgardekünstlerin in Basel 1948 bis 1958, Heidelberg, WUNDERHORN, August 2021, geb., mit Dokumenten und Fotografien und Beiträgen von Martina Kuoni, Sabine Kubli, Manfred Metzner und Roger Wirz. ISBN 978-3-88423-662-8, € 20,00.

Katalog zur Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel (bis zum 15. September 2021).

Bublitz, Kolberg, Bauhaus Weimar, Berlin, Paris, Tunesien, Algerien, Nord-Mittel-Südamerika, New York, Basel, Paris – das sind nur einige Stationen in Ré Soupaults (geb. ­Meta Erna Niemeyer, 1901–1996) Leben als Bauhaus-Schülerin, Avantgarde-Filmerin, Modejournalistin, Modemacherin, Fotografin, Übersetzerin, Studentin bei Karl Jaspers, Radio-Essayistin und Schriftstellerin.

Ré Soupault kehrte 1948 aus den USA mittellos nach Europa zurück. Sie hatte von der Schweizer Büchergilde, die am 15.5.1933 in Zürich gegründet worden war, den Auftrag bekommen, Romain Rollands Kriegstagebücher ins Deutsche zu übersetzen. Bis 1958 lebte sie in Basel. Sie hat dort ihre Freund*innen Lisa Tetzner, Kurt Held, Suzanne Perrottet, Paul Geheeb, Walter Mehring, ihren Bauhaus-Meister Johannes Itten, Lucia Moholy und viele andere wiedergesehen.

In ihrer Basler Zeit wurde sie zur Übersetzerin und Schriftstellerin, Herausgeberin von Märchensammlungen. Sie übersetzte aus dem Französischen u. a. Lautréamonts Die Gesänge des Maldoror, Werke von Tristan Tzara, Philippe Soupault und studierte von 1951–1957 Philosophie bei Karl Jaspers. Parallel dazu begann sie mit dem Schreiben von Radio-Essays, die in schweizerischen und deutschen Rundfunkanstalten (u. a. Radio Basel, Radio Zürich, SWR, HR, BR, Süddeutscher Rundfunk, Radio Bremen, Freier Sender Berlin) bis in die 1980er Jahre gesendet wurden. Die Ausstellung folgt den zentralen Bereichen von Ré Soupaults Leben und Schaffen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den zehn Jahren, die sie in Basel verbracht hat. Anhand von ihren Manuskripten, Briefen, Tagebucheinträgen, Radiobeiträgen, Filmen und Fotografien entsteht so ein eindrucksvolles Bild ihres künstlerischen Schaffens in diesem Lebensabschnitt.

Die Herausgeber: Martina Kuoni arbeitete über 20 Jahre in der Verlagsbranche in Publikums- und Fachverlagen. 2004 gründete sie LITERATURSPUR – eine Agentur für Literaturspaziergänge in der ganzen Schweiz. Sie lebt in Basel und arbeitet freischaffend als Veranstalterin, Moderatorin und Literaturvermittlerin. Manfred Metzner lebt als Verleger in Heidelberg. 2000–2010 war er Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Literatur-und Verlagsszene (Leipzig). Er ist der Herausgeber und Nachlassverwalter des Werks von Ré Soupault.

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