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Unser Fragebogen – Aimée Dornier

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 3/2021
Antworten von Aimée Dornier, IUDICIUM Verlag, München

Was ist Ihre Erinnerung an Ihr erstes Buch? Um welches Buch handelt es sich?

Da ich als viertes Kind in die Familie hineingeboren wurde, war ich immer schon von vorhandenen Kleidungsstücken und Büchern umgeben, aber in das Buch „Fang an und lies“ von Dick Bruna habe ich meinen Namen hinein gekritzelt.

Ihre drei Lieblingsbücher sind?

Nur drei Bücher, das ist schwierig. Ich bin ein Fan von Herman Melville, ich möchte hier den weniger bekannten Roman „Weißjacke“ nennen, da das Buch politische Geschichte geschrieben hat. „Mein lieber ferner Mensch“, der Briefwechsel zwischen Anton Tschechow und Olga Knipper (überhaupt alles von Tschechow, was ich bisher gelesen habe). „Das Märchen vom herrlichen Falken“, eine wunderschön von Ivan Bilibin illustrierte Sammlung russischer Märchen.

Würden Sie Ihre Lieblingsbücher auch als eBook lesen?

Nein. Während der Arbeit schaue ich schon zu viel auf den Bildschirm. Ich mag Bücher aus Papier, sie sind viel mehr als nur der Text, es sind lauter kleine Persönlichkeiten und Gesamtkunstwerke.

Entspannen Sie beim Lesen oder was sind Ihre Mittel gegen Stress?

Küchenarbeit und Gartenarbeit. Das funktioniert auch in der Phantasie beim Durchblättern und Herumlesen in Koch- und Gartenbüchern. Schwimmen im Sommer und das ganze Jahr über Spaziergänge mit meinem Dackel.

Traumjob VerlegerIn? Beruf oder Berufung?

Nachdem ich 14 Jahre beim Verlag angestellt war, erhielt ich einen Zuruf von meinem Chef, ob ich den Iudicium Verlag übernehmen möchte. Als Angestellte hat sich die Arbeit wie ein Beruf angefühlt, aber mit der Übernahme des Verlags 2016 kam dann die Berufung mit ins Spiel. Ohne Berufung oder Liebe zur Arbeit kann man so einen Schritt nicht unternehmen. Es ist jedenfalls kein „Job“.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Schon während meines Studiums der Japanologie in München durfte ich abends im Verlag meines Onkels den Computer benutzen, um meine Magisterarbeit zu tippen. Dafür musste ich nur ein Paar Treppen hochsteigen, der Theseus Verlag war im gleichen Haus, in dem ich damals gewohnt habe. Als mein zweiter Sohn in den Kindergarten gekommen ist, habe ich bei einem Wiedereinsteigerinnenseminar entdeckt, dass ich nur mit Büchern arbeiten möchte.

Gibt es für Sie ein Vorbild aus der Welt der Verleger­ Innen?

Mein Ex-Chef, der Verlagsgründer des Iudicium Verlags, Peter Kapitza, der es zusammen mit seiner Frau geschafft hat, den Verlag aufzubauen, die Mitarbeiter zu motivieren und eine wunderbare Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Ohne den Idealismus und Enthusiasmus der beiden wäre der Funke sicher nicht auf mich übergesprungen.

Wie beginnt ein guter Tag als VerlegerIn?

Morgens in der U-Bahn: Ein Viererplatz für mich allein und ich habe mein Buch oder das Feuilleton nicht daheim vergessen.

Und wie sieht ein schlechter Tag aus?

VG Wort-Urteil, Portoerhöhungen, das Abwandern von Zeitschriften, Mehrwertsteuer runter- und wieder heraufsetzen. Schlimm ist es immer, wenn man vor lauter Organisation und Bürokratie gar nicht dazu kommt, die Arbeit zu machen, die man eigentlich tun möchte.

Was war das spannendste Ereignis in Ihrem Berufsleben?

Auf der Frankfurter Buchmesse 2015 war unser Autor ­Naoto Kan zu Gast auf dem blauen Sofa. Ein sehr aufregender Tag und eine Begegnung mit einer beeindruckenden Persönlichkeit.

In einem FAZ-Interview stellte Felicitas von Lovenberg Verlegern diese Frage: Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche wäre es?

Ich höre immer wieder, dass in den Zeitungen und im Hörfunk die Buchbesprechungen reduziert werden, ich würde mir das Gegenteil wünschen.

Wie viel Prozent seines Umsatzes wird Ihr Verlag im Jahr 2025 durch elektronische Informationen erwirtschaften?

Fünf Prozent.

Und die große Frage am Schluss: Wie wird sich die Verlagslandschaft in den nächsten zehn Jahren verändern?

Die Konzentration im Verlagswesen wird andauern, gerade im Bereich der Wissenschaftsverlage. Wenn Eltern ihre Kinder nach dem Motto „fang an und lies“ weiterhin mit Lesefutter versorgen, den Kindern aus Büchern vorlesen und Eltern und Kinder nicht wie Monaden nur noch mit ihren mobilen Endgeräten beschäftigt sind, dann gibt es auch in Zukunft eine Chance für die Bücher.

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