Kinder- und Jugendbuch

Endlich Ferien!

Aus: fachbuchjournal Ausgabe 3/2018

In Sonja Danowskis Buch „Smon Smon“ lockt das niedliche, puppenhafte „Smon Smon“ mit seiner roten Mütze und einem Hals, den es wie ein Teleskop nach Belieben ein- und ausfahren kann, auf den Planeten „Gon Gon“: „Morgens hängt das Smon Smon sein letztes Ron Ron (eine Granatapfel ähnliche Frucht) neben sein Won Won an ein Lon Lon und schwimmt in einem Ton Ton davon.“ Gon Gon ist ein wundersamer Planet, auf dem es viel zu entdecken gibt wie die „Klon Klons“ und die „Ston Stons“, der aber auch Gefahren wie die tiefen und dunklen „Zon Zons“ birgt. Doch in der Not kommt immer Hilfe, u. a. von den vorbeifliegenden „Flon Flons“ (große kraftvolle magische Vögel): „Das große Flon Flon greift nach dem Lon Lon und rettet das Smon Smon im Ton Ton vom hohen Pon Pon.“ Nach Schrecken und Verzweiflung findet es endlich sein Glück: das andere Smon Smon! „Das eine Smon Smon hat das andere Smon Smon schrecklich vermisst!“ Die Illustratorin Sonja Danowski, mehrfach für ihre Aquarell kolorierten Zeichnungen preisgekrönt, hat mit „Smon Smon“ ein zauberhaftes Bilderbuch geschaffen. Auf großen Doppelseiten entführt sie mit zarten blau-grau-erdbraun-roten Aquarellfarben in eine fantastische Planetenwelt.

 

Bruna Barros: Zwei Meter bis zum Meer, 48 S., Edition Orient, Berlin 2018, ab 4 Jahren

 

Tomoko Ohmura: Wieso geht’s hier nicht weiter? Übersetzt aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, 44 S., Moritz Verlag, Frankfurt am Main, 2018, ab 4 Jahren

 

Raphaël Baud, Aurélie Neyret: Herr Nashorn macht Urlaub. Übersetzt aus dem Französischen von Andrea Lüthi, 36 S., Atlantis Verlag, Zürich, 2016, ab 4 Jahre

 

Piotr Karski: Berge! Aus dem Polnischen von Thomas Weiler, 224 S., Moritz Verlag, Frankfurt am Main, 2017, ab 8 Jahren

 

James Brown: In 30 Städten um die Welt. Texte von Lily Murray. Aus dem Englischen von Leena Flegler, 64 S., Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 2018, ab 10 Jahren

Spielerisch fordert sie auf, Dinge sprachlich fantasievoll neu zu benennen und lautmalerisch zu verzaubern. Ein Spiel, das Kinder lieben. Ein bis zwei einfache Sätze pro Doppelseite laden in diesem Bilderbuch nicht nur die ganz Kleinen zum lautmalerischen Hüpfen und Tanzen ein.

Der Titel „Zwei Meter bis zum Meer“ scheint zunächst auf ein kurzes Reisevergnügen hinzudeuten. Doch in der Bildergeschichte ohne Worte der brasilianischen Illustratorin Bruna Barros geschieht Erstaunliches: Ein kleiner Junge beobachtet, wie der Vater einen Zollstock in der Tischlerwerkstatt einsetzt. Und schon beginnt er ihn auseinanderzuklappen und zu formen. Siehe da, ist da nicht plötzlich eine Schlange, ein Haus und ein Auto oder ein Elefant und ein Wal? Angeregt durch den Bootsbau des Vaters entsteht sogar ein Segel, sodass Vater und Sohn gemeinsam auf Abenteuerreise gehen. Ausgang offen! Ein inspirierendes Bilderbuch, das in minimalistischer ruhiger Farbgebung und stilisierenden Illustrationen nicht nur zum Dialog, zum Erzählen, Fragen und Benennen anregt. Darüber hinaus kann sich jedes Kind mit dem beigefügten grünen Zollstock in kindgerechter Länge seine eigene Tier-, Fantasie- und Formenwelt erschaffen und gestalten. Spielerisch werden dabei Sprach- und Sprechanlässe geschaffen und – nebenbei – natürlich Zahlen und Längenmaße vertrauter. Hilfreich ist auch die Handreichung zum Umgang mit Bildergeschichten ohne Text für Eltern und Pädagogen. Freilich sind in Zeiten höchster Mobilität selbst den Kleinsten aus ihrem Alltag Warteschlangen und Staus bestens vertraut. Wie ein Sensor verfolgen sie dabei – je nach Länge der Wartezeit – die emotionale Steigerung, mit der dieser Satz: „Wieso geht’s hier nicht weiter?“ ausgesprochen wird. Die japanische Illustratorin Tomoko Ohmura zeigt nun in ihrem neuen Bilderbuch „Wieso geht’s hier nicht weiter?“ – im Aufbau ähnlich wie ihr internationaler Erfolgstitel „Bitte anstellen“ –, was passieren kann, wenn der Verkehr völlig zum Erliegen kommt. „Was ist da vorne los?“ fragt neugierig ein kleiner Junge auf seinem Dreirad. Aber der Straßenarbeiter, der gerade das Schild „Vorsicht Stau!“ aufgestellt hat, weiß es nicht. Neugierig machen sich alle auf den Weg, denn „Endlich passiert mal was! Nichts wie hin.“ Es ist wunderbar, wie Ohmura in einfachen Sätzen und Dialogen in die Gedulds- und Gefühlslage der Wartenden blicken lässt – egal ob im Laufgestell, Tretroller, Rollstuhl, Rikscha, Bücherbus, Betonmischer, Müllauto, Streifenwagen, Feuerwehrauto oder Rettungsfahrzeug – und dabei insgesamt 50 Fortbewegungsmittel vorstellt. Am Ende hat sich das Warten jedenfalls gelohnt. Welch sensationelle Stau-Auflösung: Ein Dino ist aus seinem Ei geschlüpft! Ein Bilderbuch-Spaß nicht nur für Fahrzeugfans, Fahrzeugsammler und Jungs! Mit einfachen, knappen Sätzen – wobei einige Doppelseiten ganz ohne Text auskommen – erzählt der französische Autor Raphaël Baud im Bilderbuch „Herr Nashorn macht Urlaub“, dass im Zoo nicht nur Menschen arbeiten:

„Auch Zootier sein ist ein Beruf. Und manchmal machen die Zootiere Urlaub wie wir Menschen“. Also beschließt Herr Nashorn, nach Afrika zu fliegen und in der Weite der afrikanischen Savanne zu entspannen und sich von der Arbeit zu erholen. In großartigen stimmungsvollen und farbigen Bildern zieht Illustratorin Auréle Neyret nicht nur Herrn Nashorn in den Bann dieser Landschaft.

Sichtlich genießt er die Ruhe, das Bad im Seerosenteich und den wunderschönen Sternenhimmel. Bevor er zurückreist, kauft er noch Mitbringsel für seine Freunde im Zoo, die ihn voller Wiedersehensfreude mit einem großen Fest begrüßen. Ein bezauberndes Bilderbuch, das zum Betrachten, Entdecken, Erzählen und Nachdenken anregt, dabei die Frage, wie Tiere in Freiheit oder in Gefangenschaft leben, nicht thematisiert und aufdrängt.

„Immer munter, den Berg hinunter…“ in dieser zuversichtlichen Grundstimmung entführt der polnische Illustrator Piotr Karski mit „Berge!“, einem grandiosen „Mitmachbuch für Gipfelstürmer“, in die Welt der Berge. Mit einfachsten Mitteln lässt er Faltengebirge, Vulkane und tektonische Verschiebungen erschaffen, Stalaktiten in Marmeladengläsern entstehen, in das Leben einer Fledermaus eintauchen, Schneeflocken basteln oder für den Kletterer Portaledge und Haulbag bauen und mit Nadel und Faden einen Zorb reparieren, ja sogar berechnen, in wie viel hunderttausend Jahren der Nanga Parbat den Bergewettkampf gewinnen wird. Kurzum alles, was Bergfreunde – ob Groß oder Klein, Alt oder Jung – wissen sollten, wenn die Wanderschuhe angezogen werden, vermittelt Karski in „Berge!“ auf witzige und unglaublich kreative und spielerische Weise. Als Bergkenner hat er das eigentliche Ziel für Gipfelstürmer vor Augen: stets vom Gipfel auch wieder „munter unten anzukommen!“

„In 30 Städten um die Welt“ verspricht der britische Grafiker und Illustrator James Brown eine Reise zu den schönsten Metropolen der Welt. Und er hält sein Versprechen. Mit einem einzigen doppelseitigen, fast plakatgroßen Bild in kräftigen, intensiven Farben und klarer Strichführung im Retro-Stil präsentiert er atmosphärische, kuriose und wissenswerte Details jeweils einer Stadt. Geschickt eingefügt und fein verwoben mit Architektur, Brücken und Sehenswürdigkeiten sind kleine Textpassagen, geschrieben von Lily Murray. Wir erfahren z. B., dass in Lissabon anlässlich der Eröffnung der längsten Brücke Europas an einem 5 km langen Tisch 7 Tonnen feijoada (ein traditioneller Eintopf) serviert wurde, in Toronto 140 Sprachen gesprochen werden, dass der Wohnraum in Hongkong so knapp ist und sogenannte Mückenwohnungen (im Durchschnitt 17 m2) gebaut werden, in Delhi 1000 freilaufende Affen leben und Ruderfußkrebse im New Yorker Trinkwasser. „In 30 Städten um die Welt“ fördert Erstaunliches zu Tage, ist eine Augenweide, lädt zum Koffer packen und reisen ein, wenn auch nur zunächst in diesem ganz besonderen Reiseführer.

Renate Müller De Paoli ist freie Journalistin, Autorin und Geschichtenerzählerin. Sie lebt im Weserbergland, der Heimat des Rattenfänger von Hameln und des Baron von Münchhausen.

RMDEP@t-online.de

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