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Unser Fragebogen – Michael Baiculescu

Aus: fachbuchjournal Ausgabe 1/2017

Was ist Ihre Erinnerung an Ihr erstes Buch? Um welches Buch handelt es sich?

Ich weiß nicht mehr, was mein erstes Buch war. Ich habe als Kind und auch als Jugendlicher fast nicht gelesen.

Ihre drei Lieblingsbücher sind …

Nö, ich zerteile mir meine Bibliothek nicht in Lieblingshäppchen. Aber ich nehme an, Sie stellen diese Frage nur, damit jeder so antworten kann.

Würden Sie Ihre Lieblingsbücher auch als eBook lesen?

Warum nicht, wenn’s praktisch ist. Aber ich will nicht wieder ein extra Gerät, das Geld kostet, seltene Metalle verbraucht, Menschen mittels Arbeit knechtet und mich am Ende entmündigt, weil ich wieder einer neuen Software ausgeliefert bin. Manche Aspekte davon gibt es natürlich auch beim gedruckten Buch …

Entspannen Sie beim Lesen oder was sind Ihre Mittel gegen Stress?

Lesen ist Informationsaufnahme – also weder entspannend noch verspannend. Mein Mittel gegen Stress ist Kochen …

Traumjob VerlegerIn? Beruf oder Berufung?

Mittlerweile schon … Berufung ist ein zu pathetisches Wort, eher Selbstermächtigung mit Glück.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Aus ökonomischen Gründen. Als das Graphikbüro nicht mehr funktionierte, machte ich mich selbst zum Auftraggeber und konzentrierte mich auf Inhalte, die mir wichtig waren und die ich gestalten konnte.

Gibt es für Sie ein Vorbild aus der Welt der VerlegerInnen?

Viele – manche bewundere ich für die Qualität ihres Programms, andere für ihr Gefühl bei der Vermarktung von Büchern, wieder andere können erstaunliche Gelder aufstellen. Manche können auch hervorragend das Gegenteil: Mit ganz wenig Mitteln einfache aber wunderschöne Bücher machen. Aber alles zusammen … da fällt mir niemand ein.

Wie beginnt ein guter Tag als VerlegerIn?

Eine Großbestellung von der Auslieferung; ein Feedback einer Buchhandlung, die sich über einen Titel sehr gefreut hat; wenn ein Buch aus der Druckerei geliefert wird und es ist schön und gelungen.

Und wie sieht ein schlechter Tag aus?

Wenn dann doch plötzlich alles auf einmal zu machen ist, die Hektik im Verlag ausbricht und man sich denkt, wir machen doch Bücher und nicht Tageszeitungen, aber was hilft’s.

Was war das spannendste Ereignis in Ihrem Berufsleben?

Das ganze Berufsleben ist seit 20 Jahren ein einziges spannendes Ereignis … viele kleine und größere Erfolge und Misserfolge, aber das eigentlich spannende ist die Kette von Ereignissen und dabei zu sehen, wie der Verlag wächst.

In einem FAZ-Interview stellte Felicitas von Lovenberg Verlegern diese Frage: Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche wäre es?

Ein gesichertes Grundeinkommen für alle – das täte den Büchern gut und den Nerven der Verlegenden und vor allem den AutorInnen.

Wie viel Prozent seines Umsatzes wird Ihr Verlag im Jahr 2020 durch elektronische Informationen erwirtschaften?

Keine Ahnung … ich engagiere mich da nicht. Sollten sich digitale Medien in der Buchbranche durchsetzen, wird sich unser herkömmliches Verlagswesen völlig verändern. Wer auch immer profitieren wird, die Verlage werden es keinesfalls sein, die werden für den Markt immer überflüssiger, ihre Leistungen immer entwerteter.

Und die große Frage am Schluss: Wie wird sich die Verlagslandschaft in den nächsten zehn Jahren verändern?

Wirklich eine große Frage – das hängt von so vielen Parametern ab …. Es hängt davon ab, ob die Buchpreisbindung erhalten werden kann, ob die Buchhandlungen als großflächiges Vertriebssystem für Bücher bestehen bleiben; was wiederum viel mit den ökonomischen Rahmenbedingungen zu tun hat, Mietpreisen zum Beispiel und den Veränderungen der Innenstädte als öffentlicher Raum. Es hängt aber auch vom gesellschaftlichen Bewusstsein ab, von der Frage, welchen Stellenwert Bücher in der Gesellschaft haben und ob die Menschen sich bieten lassen, dass ihnen eine Infrastruktur nach der anderen abgedreht wird.

So wie die Entwicklung der Gesellschaften auch von (guten) Büchern beeinflusst wird, wird die Entwicklung des Buchmarkts davon abhängig sein, ob sich Menschen organisieren und sich für die Erhaltung von Kultur, Literatur und Kunst engagieren, oder ob die sich aus der Krise nur mehr auf Kosten der Menschen und der Umwelt befreienden Herrschenden sich immer zerstörerischer durchsetzen. Also – eine wahrlich große Frage.

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