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Der iudicium Verlag

Aus: fachbuchjournal Ausgabe 3/2017
Erkenntnisgewinn und Selbstreflexion vor dem Hintergrund des interkulturellen Dialogs

Als tragendes Leitmotiv hat sich der iudicium Verlag seit seinen Anfängen vor 34 Jahren der Wissensvermittlung und dem Kulturaustausch verschrieben. Durch die verschiedenen Reihen und Monographien im Bereich Deutsch als Fremdsprache und Germanistik sollen einerseits die deutsche Sprache und Kultur den Dozenten und Studenten zugänglich gemacht und vertieft werden. Auf der anderen Seite wird durch Übersetzungen und vor allem eine große Auswahl an Fachbüchern das Verständnis für verschiedenste Aspekte ostasiatischer Kulturen gefördert. Im Sinne der im lateinischen Verlagsnamen bedeuteten Urteilskraft war das Hauptanliegen des Verlagsgründers Dr. Peter Kapitza, Erkenntnisgewinn und Selbstreflexion vor dem Hintergrund des interkulturellen Dialogs anzuregen. Neuerscheinungen wie die von Dr. Thilo Diefenbach herausgegebene Anthologie „Kriegsrecht“ mit neuerer Literatur aus Taiwan oder Band 60 der Monographien aus dem Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo „Japan in der Ära Abe“ bieten Einblicke in die historischen Zusammenhänge und den aktuellen Stand tagespolitischer Entwicklungen in ostasiatischen Ländern. Anlass für das Erscheinen der Literaturanthologie war der 30. Jahrestag der Aufhebung des Kriegsrechts in Taiwan, das sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer stabilen, lebendigen Demokratie entwickelt hat. Nachdem das Buch bereits im Februar in Berlin vorgestellt wurde, folgen nun weitere Lesungen, unter anderem in Wien und München.

 

Der Herausgeber ist auch ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift „Hefte für ostasiatische Literatur“. Gegründet wurde die von Sinologen, Koreanisten und Japanologen herausgegebene Zeitschrift 1983 mit der Zielsetzung, bisher unbekannte literarische Texte aus dem fernen Osten (China, Korea, Japan) in deutschen Übersetzungen zugänglich zu machen. Zweimal pro Jahr erscheinen die gelben „Hefte“, die neben Pilotübersetzungen klassischer und moderner Texte auch Rezensionen, Nachrichten aus der Wissenschaft sowie eine ausführliche Bibliographie neuer deutschsprachiger Publikationen zur Literatur dieser Länder bieten. „Da belletristische Übersetzungen aber den allergrößten Teil der Zeitschrift ausmachen, sei sie einfach allen Lesern empfohlen, die sich für ostasiatische Literaturen interessieren“, hieß es in der Kurzkritik von Katharina Borchardt am 20.11.2016 im Hörfunk auf SWR2. Ein zentrales Projekt des Verlages ist zweifellos die Herausgabe des „Großen japanisch-deutschen Wörterbuches“. Begonnen wurden die Redaktionsarbeiten bereits 1998 am Deutschen Institut für Japanstudien unter der damaligen Direktorin des Institutes Prof. Dr. Irmela HijiyaKirschnereit. Seit November 2006 ist das Projekt vollverantwortlich an der Freien Universität Berlin angesiedelt. Erschienen sind bisher die ersten beiden Bände – der dritte Band (O-Z) ist für 2019 vorgesehen. Mit ungefähr jeweils 2500 Seiten pro Band und insgesamt ca. 130.000 Stichworten sowie Beispielsätzen unter anderem aus Zeitungen, Zeitschriften und literarischen Werken verkörpert es das umfangreichste japanisch-fremdsprachige Wörterbuch weltweit. Da neben der japanischen Alltagssprache einschließlich verschiedener Sondersprachen wie Slang und Kindersprache auch das Fachvokabular unterschiedlichster Disziplinen, wie z.B. Technik, Naturwissenschaften, Ökologie, Medizin, Wirtschaft und Recht erfasst werden, handelt es sich bei dem Werk um ein Allgemein- und Spezialwörterbuch in einem. Für die deutsch-japanischen Beziehungen wird das Werk, das in enger Zusammenarbeit von Fachwissenschaftlern aus Deutschland und Japan erstellt wird, auf lange Sicht unschätzbare Unterstützung leisten. „Neben seinem praktischen Nutzen setze das Wörterbuch auch ein wissenschafts- und kulturpolitisches Signal“, zitiert der Tagesspiegel am 13.04.2013 die Herausgeberin Irmela HijiyaKirschnereit: Die deutsche Wissenschaftssprache wird dadurch gefördert.

 

Solche Projekte können begeistern – im vergangenen Jahr hat Aimée Dornier, die seit 2003 in dem unabhängigen Wissenschaftsverlag für die Bereiche Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Lizenzen verantwortlich ist, die Nachfolge als Verlegerin angetreten. Dem Motto des Firmengründers möchte sie treu bleiben und auch weiterhin fundiertes Fachwissen in qualitativ hochwertigen Buchausgaben bieten, sich aber auch den neuen Herausforderungen stellen, unter anderem den E-Book-Bereich ausbauen und die Digitalisierung voranbringen. Die Japanologin möchte aber auch mehr Präsenz der Bücher in der Öffentlichkeit erreichen – ein Highlight war der Besuch des Japanischen Ex-Premierministers Naoto Kan auf dem Blauen Sofa während der Frankfurter Buchmesse 2015. Auch der Büchertisch auf der Japandult in München wurde vom Publikum sehr gut angenommen, viele Besucher waren von der großen Auswahl der Japantitel beeindruckt – für die nächste Japandult am 2. Juli hat sich der Verlag bereits wieder als Aussteller angemeldet.

Neu in das Verlagsprogramm aufgenommen wird ab September 2017 der Bereich Kulinaristik – in Zusammenarbeit mit dem Kulinaristik-Forum, das 2008 gegründet wurde, ist die Herausgabe eines Jahrbuches geplant sowie Monographien. Die Kulinaristik soll das, wie Marcel Mauss es genannt hat, „soziale Totalphänomen“ Essen und Trinken sowie die Gastlichkeit interdisziplinär sowohl von der wissenschaftlichen Seite als auch aus der Praxis heraus erforschen. (ab)

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