Kinder- und Jugendbuch

Was willst du denn mal werden? Der Glücklichste auf Erden!

DASD, Stift. Intern. Jugendbibl., Stift. Lyrik Kabinett (Hg.): Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest. Mixtvision, München 2018 Ab 6 Jahren

 

Stefanie Schweizer (Hg.): LyrikComics. Illustr. von Profke, Fiedler, Weikert, Friese, Kranz, Rösler, Heldmann, Mérot, Kirschner. Beltz & Gelberg, Weinheim 2019, Ab 6 Jahren

 

Elisabeth Steinkellner, Michael Roher (Ill.): Vom Flaniern und Weltspaziern – Reime und Sprachspiele. Tyrolia, Innsbruck 2019. Ab 7 Jahren

 

Moni Port, Philipp Waechter (Ill.): Wie nennt man ein Kaninchen im Fitnessstudio? – Neue Rätsel­ witze und Quatschbilder. Klett Kinderbuch Leipzig 2019. Ab 8 Jahren

 

Andrea Weller-Essers, Eilika Mühlenberg (Ill.): Von Alpakakacka bis Zotteltrottel – Das voll verbotene ABC. Duden, Berlin 2019. Ab 6 Jahren

 

Hrsg. Sybille Sailer, SaBine Büchner (Ill.): Sieben kecke Schnirkelschnecken – Lustige Kindergedichte und Reimspaß zum Lachen. Arena, Würzburg 2019. Ab 4 Jahren

„Und noch’n Gedicht“ witzelte einst Heinz Erhardt, der humorige Wort-, Reim- und Sprachakrobat. Zu seinem 100. Geburtstag vor zehn Jahren wurde sein wohlwollendes Angebot durch die Herausgabe der Sonderbriefmarke „Noch’n Gedicht“ aufgegriffen. Inzwischen füllen Poetry Slamer große Veranstaltungsräume. Und Kampagnen wie „Poetisiert Euch“ versuchen, den Lyrikerstimmen der Gegenwart Gehör zu verschaffen. In Kitas und Grundschulen werden Kinder – angesichts der Vielfalt an Herkunftssprachen in den Gruppen – mit Gedichten und Wortspielen begeistert und tauchen mit viel Spaß in die Komplexität der deutschen Sprache ein. Bisher führen allerdings Lyrik und Sprachspiel in den meisten Buchhandlungen und in den Schulen ein Schattendasein und werden in ihrer Wirkung auf Sprachentwicklung und Herz und Verstand verkannt. Umso erfreulicher ist es, dass sich Kinder- und Jugendbuchverlage immer wieder mit wunderbaren Büchern diesem Thema widmen.

„Mehr Gewicht fürs Kindergedicht“, unter diesem Titel luden die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Stiftung Internationale Jugendbibliothek und die Stiftung Lyrik Kabinett zehn Künstler (sechs Lyriker-und vier IllustratorenInnen) aus Deutschland und Österreich ein, ihrem Spaß am Spiel mit Worten, Reimen und Bildern in einem Workshop freien Lauf zu lassen. Herausgekommen ist Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest, eine witzige und tiefsinnige Anthologie über Tiere. Mit humorvollem Augenzwinkern lassen insgesamt 60 Tiergedichte tief in die tierisch-menschliche Lebens- und Gefühlswelt blicken: denn „Können Tiere nicht einfach nur süss und niedlich sein?“ oder der Wal brummt: „Ich wär so gern klein und schmal“ und „die Quasselassel kann’s nicht lassen, massenhaften Quatsch zu quasseln“; das Aquarium schließen muss, denn „Der Hecht fühlt sich schlecht … Der Hummer hat schwer Kummer“ und „Der Makrele kratzt die Kehle“. Und warum sollten nicht auch Tiere Fasching feiern und sich einen „Muhfrieden“ wünschen? Wer kennt und könnte z. B. das „Gebet auf der Arche Noah“ sprechen? Getragen, pointiert und verstärkt werden die sprachlichen Bilder und Spielereien in dieser Anthologie durch wundervolle, einfühlsame Illustrationen. Eine Anthologie nicht nur für kleine und große Tierliebhaber.

● In Lyrik-Comics – Gedichte ­Bilder Klänge für Kinder in den besten Jahren, herausgegeben von Stefanie Schweizer, verwandeln neun IllustratorenInnen aus den Bereichen Bilderbuch und Comic Gedichte von Joachim Ringelnatz bis Arne Rautenberg auf jeweils ein bis zwei Doppelseiten in farbenstarke Bilder. Bilder, die den eigenen Deutungen und Vorstellungen beim Lesen des Gedichtes plötzlich erstaunliche Aha-Erlebnisse bereiten und weitere, neue Geschichten erzählen: z. B. wenn „so monstrige Monster“ des Nachts kommen, denn „manchmal mag ich die Dunkelheit nicht“. Oder das einsame Rumpelstilzchen sich entschlossen hat, Freunde zu suchen, denn „Niemand schreibt mir (…) Niemand wünscht mir frohe Feste, niemals kommen zu mir Gäste“. Oder „das wuuhuu“ „noch den rest vom sonnenlauf verschluckt“, pechschwarz abhebt und in die Träume reinsegelt. Als weitere Besonderheit dieses Lyrik-Bandes haben vier Musiker/-innen einige Gedichte ausgewählt und bringen sie mit Stimme und Instrumenten zum Klingen. So schwebt „das wuuhuu“ auf den Saiten des Cellos durch die Nacht und lädt zum Mitsingen ein. (Abrufbar auf der Webseite des Verlages.)

„Nicht stören lassen beim Träumen“ ist die heitere Botschaft der österreichischen Autorin Elisabeth Steinkellner in Vom Flanieren und Weltspaziern – Reime und Sprachspiele. Auch in dieser Gedichtsammlung sind Sprech- und Lachmuskeln gefordert. Steinkellner jongliert gekonnt und freudig mit Buchstaben, Worten und Reimen, fördert dabei humorvoll Tierisches und Menschliches beim „Weltspaziern“ am Meer, in Bahn oder Stadt und unter Wasser zutage wie im Gedicht „Nicht ins Netz gegangen“: „Der Plusterfisch schwamm durch das Meer, mit einer Fischfrau nebenher. (…) Die Fischfrau an des Fisches Seite ­machte kehrt, suchte das Weite, so schnell sie ihre Flosse trug. Angeber kenn ich schon genug!“. Oder in „Beruf – ung“: „Es fragte mich die Omama: „Was willst du denn mal werden?“ Ich lächelte sie an und sprach: „Der Glücklichste auf Erden!“ Michael Roher begleitet diesen Mix der verschiedensten Lyrikformen mit zartem Bleistiftstrich und vier farbigen Doppelseiten. ¡ Wer sich zu der Gruppe der Querund „Um-die-Ecke-Denker“ zählt, wird seinen Spaß an diesen neuen Rätselwitzen von Moni Port in Wie nennt man ein Kaninchen im Fitnessstudio? haben. Falls jemand jedoch an dieser besonderen Art des Gehirnjoggings und der Sprachspielerei zu verzweifeln droht und aufgeben will, dem helfen die witzigen, detailreichen, fantasievollen Quatschbilder von Philip Waechter in jedem Fall weiter die richtige Spur zu finden. Die richtigen Antworten auf Fragen wie „Wie nennt man einen gefrorenen Hausflur?“ oder „Wie nennt man eine kleine Welle?“ und „Wie nennt man das lustigste Gemüse von allen?“ zu finden, kann so zum Familiensport und -spaß werden. Und im äußersten Notfall findet sich auch das Lösungswort auf der jeweiligen Seite. Offen bleibt allerdings am Ende die letzte Frage und dafür sind zwei Seiten freigelassen: „Fällt Dir auch einer ein?“

In Von Alpakakacka bis Zotteltrottel – Das voll verbotene Abc geht es um einen ganz anderen Wettbewerb. Auf einem Spielplatz wird der Zugang zu den Geräten von einem Schimpfwörterwettkampf abhängig gemacht. Der Verlierer muss das Feld räumen. Schiedsrichter ist der Leser. Und so wird munter von A bis Z durch das Alphabet gezogen. Kein Buchstabe von den 26 darf ausgelassen werden und es zählen „nur richtig gute Schimpfwörter – nix total Gemeines“. Mit Asselschlamassel, Blödelknödel, Einhornerbse, Flohpopo und Zotteltrottel erweitert Andrea Weller-Essers frech durch Reim und Alliteration die übliche Schimpfwörterliste. Passend, witzig und farbenfroh illustriert von Eilika Mühlenberg. Am Ende wird natürlich entspannt zusammen gespielt.

ABC-Spielereien finden sich auch neben Nonsense-Gedichten, Lautmalereien und Reimkunst in der Gedichtsammlung Sieben kecke Schnirkelschnecken, herausgegeben von Sibylle Sailer. U.a. zeigen Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz, Heinz Ehrhardt, Paul Maar, Jürgen Spohn, Michael Ende, Robert Gernhardt ihr Können – fantasievoll und komisch durch Mimik- und Gestenspiel zugespitzt von Illustratorin SaBine Büchner. Aktuelles wie Philosophisches wird durch ihre witzigen Zeichnungen so selbst für die Kleinsten nachvollziehbar, ob „Schneckenschule“, „Hundertzwei Gespensterchen“ und Wohnungssuche von Familie Erdmännchen oder „Lieb“ und „Glück gehabt“. Auch mit dieser Anthologie sind Lachen, Spaß und tolle Abenteuer- und Fantasiereisen angesagt, und obendrein erstaunliche und weise Erkenntnisse für Herz und Verstand. Wer hätte z.B. gedacht, dass selbst Kuh und Zwerghuhn wie in dem Gedicht von Hans Manz „Gelernt ist Gelernt“ sagen: „Gut, wenn man andere Sprachen kann.“

Renate Müller De Paoli ist freie Journalistin.

RMDEP@t-online.de

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