Geowissenschaften

Geowissenschaften

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 6/2020

Axel Don, Roland Prietz (2019): Unsere Böden entdecken – Die verborgene Vielfalt unter den Feldern und Wiesen. Springer, Berlin. 144 S., etwa 100 Bodenprofile mit Lageskizzen und Erläuterungen, Hardcover. ISBN 978-3-662-59727-9, € 19,99.

Das Buch beruht auf einer 2018 abgeschlossenen Untersuchung über den Zustand der landwirtschaftlich genutzten Böden in Deutschland, für die mehr als 3.000 Gruben mit 1 m Tiefe zur Beurteilung der Bodenprofile angelegt wurden. Böden zu entdecken ist also nicht immer einfach, obwohl man sie ohne Mühe in Baugruben, an Wegeböschungen, Fluss- und Seeufern mit ihren auffälligen Farbunterschieden sehen kann. Bei ackerbaulich genutzten Landschaften bestimmen im Herbst und Winter die Bodenfarben das Bild. Sie entsprechen den durch die Bodenerosion verkürzten und vom Pflug angeschnittenen Bodenhorizonten oder bereits dem anstehenden Gestein. Die Autoren dieses Buches gehen von der beeindruckenden Bodenvielfalt aus, die sie gesehen haben, und wollen den Leserinnen und Lesern einen Zugang zur „Bodenwelt“ eröffnen. Die Erläuterung der Vielfalt der Böden beschreibt definitionsartig, was Böden sind: Ausschnitte aus einer durch Horizonte gegliederten, mehr oder weniger zusammenhängenden porösen natürlichen und belebten Decke, die die Lebewesen im Boden mit Wasser, Luft und Nährelementen versorgt. Sie entsteht über Zeiträume von mehreren Jahren bis zu Jahrtausenden in dem jeweiligen Ausgangsmaterial durch biologische, physikalische und chemische Prozesse. Diese Abläufe hinterlassen in den Bodenprofilen Spuren, die als Merkmale die Bodenentwicklung nachvollziehbar machen. Solche Spuren sind unterschiedlich gefärbte Bodenhorizonte, helle, dunkle oder rostfarbene Flecken, Verlagerung, Anreicherung oder Verarmung an Huminstoffen, Salzen, Kalk, Ton, Oxyden oder Kieselsäure. Dabei verlaufen die Bewegungen von oben nach unten mit dem Sickerwasser, von unten nach oben mit dem Stau- und Grundwasser oder mit dem Porenwasser durch die Verdunstung. An Hängen bewegt sich Sickerwasser in Richtung des Gefälles. Entstanden sind die ältesten Böden Mitteleuropas vorwiegend nach der letzten Kaltzeit. Sie wurden und werden durch die Bodennutzung verändert oder sogar verbraucht, falls die Zeit und die örtlichen Bedingungen zur Regenerierung nicht ausreichen oder die Intensität der Nutzung zu groß ist. Mit einem Diagramm der Häufigkeitsanteile der landwirtschaftlich genutzten Bodentypen endet das erste Kapitel. Es zeigt gleichzeitig, auf welche Bodentypen in diesem

Buch mit Texten und Abbildungen eingegangen wird. Die „Exkursion“ zu „unseren Böden“ beginnt mit Kapitel 2, das den Bodentypen auf kalkhaltigem oder kalkfreiem, festem oder lockerem Ausgangsgestein gewidmet ist (Rendzina, Pararendzina, Ranker, Regosol). Es folgen in Kapitel 3 saure Böden (Braunerden, Podsole) und ein Infokasten zur Erläuterung der Gliederung der Bodenprofile in Horizonte. Sofort stellt sich der Wunsch ein, dass bei allen abgebildeten Bodentypen die Horizontfolge angegeben wäre, denn die Erfahrung zeigt, dass das Erkennen und Abgrenzen der Bodenhorizonte für Anfängerinnen und Anfänger schwierig ist. Die Braunerde tritt auf landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzten Flächen sehr häufig auf und ist daher mit sieben Fotos etwas schlecht weggekommen. Es folgen die farblich starken Podsole und dann in Kapitel 4 die fruchtbaren Böden aus Löss (Parabraunerde, Schwarzerde, Fahlerde). Dabei wirkt sich aus, dass die Bodenprofile der Parabraunerde und Schwarzerde auf den Fotos nur bis 1 m Tiefe abgebildet sind und daher die tiefergehende Verlagerung der Karbonate weder angesprochen noch in Form von Lösskindeln sichtbar wird. Nun folgen in Kapitel 5 Böden mit hohem Tonanteil (Pelosole, Terra fusca) und dann die von Grund- und Stauwasser beeinflussten Böden (Gley, Pseudogley, Marschböden), denen 24 gute Aufnahmen gewidmet sind (Kapitel 6). Noch feuchter sind die Hoch- und Niedermoore (Kapitel 7), zu denen die textlichen Ausführungen etwas allgemein gehalten sind, wenn man bedenkt, dass der Schutz von Mooren einen hohen Stellenwert besitzt. Nur ein Satz hebt die Artenvielfalt, die Kohlenstoffspeicherung und die geringe Nachwachsgeschwindigkeit der Moore hervor. Allerdings gibt es eine Fortsetzung in Kapitel 9. Zunächst folgt Kapitel 8, das sich mit Auenböden befasst (Paternia, Kalkpaternia, Tschernitza, Vega). Ausführungen über die Belastungen von Flussauen mit Schwermetallen und organischen Schadstoffen sind vorangestellt und es wird darauf verwiesen, dass die Abtragung der Oberböden an den Hängen, als Folge der landwirtschaftlichen Nutzung, zu mächtigen Auensedimenten geführt hat, die aus bereits verwittertem Material entstanden sind. Nun folgen in Kapitel 9 die durch Tiefpflügen überprägten Böden (Treposol, Rigosol, Aufschüttungsböden). Tiefpflügen ermöglichte zwischen 1938 und 1978 die Ausweitung der ackerbaulichen Nutzfläche um 180.000 ha (1.800 km²) zu Lasten der Moore, zum Teil mit zweifelhaftem Erfolg. Tiefgepflügt werden auch die Anbauflächen für Wein und Spargel. Die durch den Menschen aufgeschütteten Böden können flächenmäßig groß dimensioniert sein, wie die Umlagerung von Lockermaterial im Zuge der Gewinnung von Braunkohle zeigt. Das Thema wird in einem Infokasten vertieft. Tatsächlich finden bei vielen Baumaßnahmen Abgrabungen statt, die an anderer Stelle zu Auffüllungen oder Aufschüttungen führen. Besonders erwähnt werden „Weltkriegshinterlassenschaften“ im Sinne von Kraterlandschaften. Aus dem Ersten Weltkrieg sind solche Zerstörungen in Deutschland kaum vorhanden. Dieser Krieg zerstörte und belastete fast ausschließlich und in kaum wirklich vorstellbarem Maße die Frontgebiete in den Nachbarländern. Die Füllung der Bombentrichter und die Trümmergrundstücke des Zweiten Weltkrieges haben aber, da gibt es kaum Zweifel, zu Belastungen geführt, deren Umfang schon lange aus der Erinnerung verschwunden wäre, wenn nicht mit Regelmäßigkeit heute noch Munition und Bomben geräumt werden müssten. Es folgen abschließend in Kapitel 10 „Böden, die Geschichten erzählen“ (Plaggenesch, Wölbäcker, Kolluvisole), wobei die Kolluvisole, gemessen an ihrer Häufigkeit und Bedeutung für das historische Verständnis der Ackerländereien Mitteleuropas, bei den Abbildungen etwas unterrepräsentiert sind.

Ergänzend enthält das Buch Erklärungen zu etwa 40 Begriffen, ein Verzeichnis weiterführender Literatur sowie ein Stichwortverzeichnis. Auch ein Schlusswort gibt es, das wie folgt lautet: „Dieses Buch kann nur einen ersten, durch viele Bodenprofilfotos geprägten Eindruck geben, welche Prozesse in Böden ablaufen und wie unterschiedlich Böden bei uns sind“. Das ist ohne Zweifel ein Understatement, denn das Buch zeigt lebensnah wie bei einer Exkursion in hoher Qualität zum Teil bisher selten gesehene Fotos von Bodenprofilen.

Vielleicht hätte man in der Absicht, den Leserinnen und Lesern einen Zugang zur „Bodenwelt“ zu verschaffen, noch weiter gehen und einige einfache Methoden der Feldbodenkunde in den Text aufnehmen können (siehe Bodenkundliche Kartieranleitung KA 5 (2005): Arbeit mit dem Bohrstock (notfalls ein der Länge nach aufgeschnittenes Wasserrohr, oben mit zwei Löchern für eine Eisenstange zum Drehen und Ziehen, unten angeschärft), die Bodenartenansprache mit der Fingerprobe, die Bestimmung des Kalkgehaltes mit 10%iger Salzsäure (Vorsicht bei der Durchführung), die Bestimmung des pH-Wertes mit Indikatorflüssigkeit aus der Gartenabteilung und die Farbbestimmung mit einer Farbtafel. Anschließend könnten dann die eigenen Ergebnisse der Leserinnen und Leser mit bildschirmgroßen Abbildungen der Bodenprofile verglichen werden, weil der Springer-Verlag erlaubt hat, dass das Buch nach dem Kauf zusätzlich als „eBook“ kostenlos heruntergeladen werden darf. (jp)

Univ.-Prof. Dr. Johannes Preuß (jp) war von 1991 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2011 Professor für angewandte Physische Geographie am Geographischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Von 2000–2009 war er Vizepräsident für Forschung. jpreuss@uni-mainz.de

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