Betriebswirtschaft

Digitalisierung und Industrie 4.0: Schöne neue Welt

Aus: fachbuchjournal Ausgabe 3/2018

It`s a hot thing – and it`s getting hotter! In der Betriebswirtschaftslehre lösen Digitalisierung und Industrie 4.0 derzeit einen regelrechten Hype aus. Es geht um den richtigen Umgang mit großen Datenmengen (Big Data, Advanced Analytics, Cloud Computing), den radikalen Wandel innerhalb kompletter Wertschöpfungsprozesse (Business Intelligence, Smart Factory, Cyber-physische Produktionsabläufe), das Internet der Dinge und das Erreichen der nächsten Stufe der Industriellen Revolution. In den Werkshallen der Zukunft verschmilzt die virtuelle 3-D-Perspektive mit der realen Fertigungswelt. Schlagwörter sind Agilität, Effizienz und Schnelligkeit. Dass mit diesem rasanten Wandel auch Gefahren verbunden sind, wird gern unter den Teppich gekehrt.

Schon vor circa 2.500 Jahren wusste Heraklit, dass alles einem stetigen Wandel unterworfen und im Fluss ist („panta rhei“). Doch in welch dramatischen Schüben dieser Wandel mittlerweile stattfindet, dürfte der griechische Philosoph seinerzeit wohl kaum erahnt haben. Vor einigen Monaten brachte es Peter Sondergaard, der Chefanalyst des weltweit tätigen Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner, auf den Punkt: „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts, und Datenanalyse der Verbrennungsmotor.“ Die digitale Revolution verändert unser Leben von Grund auf. Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Kultur und Politik sind gleichermaßen davon betroffen. Egal, ob es um Bilder, Filme oder Audiodaten geht, immer gilt das gleiche: Was früher noch analog erledigt wurde, erfolgt heute digital. In der Produktion, dem Gesundheitswesen, dem Verkehr, der Messtechnik oder der Archäologie, überall hat die Digitalisierung Einzug erhalten. Doch was macht die Digitalisierung mit uns, welche Folgen wird sie für uns haben?

Es liegen drei Bücher vor, in denen die Digitalisierung speziell aus betriebswirtschaftlicher Sicht näher untersucht wird. Genauer gesagt geht es darin vor allem um die Auswirkung automatisierter Produktionsprozesse (Stichwort: Industrie 4.0) und wie die Digitalisierung unsere komplette Wertschöpfungskette radikal verändert. Die Logistik nimmt in diesem Wandlungsprozess eine besondere Rolle ein, weil sie als Schnittstellenfunktion heraussticht.

Jodlbauer, Herbert, Digitale Transformation der Wertschöpfung, Kohlhammer, 2018, 234 Seiten, EUR 30,00, ISBN 978-3-17-034102-9.

 

Wehberg, Götz G., Logistik 4.0. Komplexität managen in Theorie und Praxis, Springer Gabler, 2015, 330 Seiten, EUR 34,99, ISBN 978-3-662-47209-5.

 

Voß, Peter H. (Hrsg.), Logistik – eine Industrie, die (sich) bewegt. Strategien und Lösungen entlang der Supply Chain 4.0, Springer Gabler, 2015, 229 Seiten, EUR 34,99, ISBN 978-3-658-10608-9.

Herbert Jodlbauer hat über die „Digitale Transformation der Wertschöpfung“ geschrieben. Der promovierte Ingenieur, Jahrgang 1965, ist derzeit Professor für Operations Management an der Fachhochschule Oberösterreich am Standort Steyr und leitet dort die zwei Studiengänge Produktion und Management sowie Operations Management. Der Verfasser ist äußerst umtriebig. Neben seiner Professur ist er zusätzlich wissenschaftlicher Leiter des Center of Excellence for Smart Production (ein Zentrum zur Koordination von Lehr- und Forschungsvorhaben), und er berät Unternehmen in den Bereichen Wertschöpfung, Produktion sowie Digitalisierung.

Das bei Kohlhammer erschienene Buch „Digitale Transformation der Wertschöpfung“ untergliedert sich in vier Hauptabschnitte. Der fünfte Teil, ein „Epilog“, wird hier nicht mitgerechnet. Zunächst widmet sich Jodlbauer den „Daten“ als solchen. Auf über 70 Seiten beschäftigt er sich beispielsweise mit der Informationsexplosion und den Ausswirkungen für den Anwender. Begriffe wie Big Data und Advanced Analytics fallen. Auf den Punkt gebracht geht es darum, wie es Unternehmen schaffen können, die Informationsflut zu bewältigen und nicht mit wehenden Fahnen im Datenmeer zu versinken.

Im zweiten Teil charakterisiert Jodlbauer das „Internet der Dinge“ („Internet of Things“): Darunter sind miteinander verbundene intelligente Komponenten zu verstehen, die auch als „Smart Connected Things“ bezeichnet werden. In Zeiten von Web 3.0 werden also beliebige „Dinge“, die allesamt mit einer vorhandenen Schnittstelle zum Internet ausgestattet sind, untereinander gekoppelt. Dadurch entstehen grenzenlose Kommunikationsnetzwerke. Beispiele dafür sind die nahezu lückenlose Paketverfolgung im Netz oder das moderne Leben von Menschen in den „Smart Cities“ unserer Zeit. Mit dem Internet der Dinge ist das gezielte Umfahren von Staus genauso möglich wie die Absenkung unseres Energieverbrauchs. Allgemein soll durch das Internet der Dinge unsere Lebensqualität steigen.

Umfangreich fällt der dritte Hauptteil des Buches aus: Auf über 50 Seiten beschreibt Herbert Jodlbauer darin, was er unter „Intelligenten Prozessen“ versteht. Er berichtet beispielsweise von Generativen Fertigungsverfahren. Der momentan in aller Munde befindliche „3-DDruck“ ist beispielsweise eine solche Generative Fertigungstechnik. Unter die Intelligenten Prozesse fasst Jodlbauer auch Augmented Reality. Dort wird die reale Welt um virtuelle Zusatzinformationen angereichert. So unterstützen bei Fußballspielen eingeblendete Entfernungslinien den Zuschauer, er kann die Situation damit besser einschätzen (z. B. die Entfernung eines Freistoßes zum Tor). Meist jugendliche Spieler (Virtual Reality Gamer) setzen sich bei Augmented Reality eine 3-DBrille auf und tauchen damit in ihre virtuelle Welt ab.

Zu diesen Intelligenten Prozessen zählt Jodlbauer auch die Smart Factory und Industrie 4.0. Der Begriff „Industrie 4.0“ wurde im Jahr 2011 von der Deutschen Bundesregierung als Leitinitiative ausgerufen. Er steht seitdem für ein High-Tech Projekt, das eng mit der vierten Industriellen Revolution verknüpft ist. „Industrie 4.0“ ist also ein in Deutschland geschaffener und dort verwendeter Begriff. International spricht man eher von „Industrial Internet“. Wo gestern noch die Massenfertigung von Taylor war, herrscht heute bereits die Schlanke Fertigung (Lean Manufacturing). Morgen wird es die Smart Factory sein. In dieser Intelligenten Fabrik kommunizieren neueste technologische Entwicklungen eigenständig über virtuelle Computermodelle miteinander. Immer mit dem Ziel, die Produktivität und den Kundennutzen systematisch zu steigern. Die (teil-) autonomen Maschinen treffen in der Smart Factory selbständige Entscheidungen, der Mensch greift in diese Prozesse kaum mehr ein (Cyber-physische Fertigung). Schöne neue Welt, Aldous Huxley lässt grüßen.

Im vierten Abschnitt berichtet der Verfasser von „Intelligenten Geschäftsmodellen“. Darunter fällt beispielsweise die optimierte Einbindung externer Wertschöpfungspartner (z. B. Lieferanten) in betriebliche Arbeitsabläufe. Es geht darum, wie man besonders profitable Kunden dauerhaft an das Unternehmen binden und für sie einen erkennbaren Mehrwert schaffen kann. Jodlbauer benennt dazu eine Reihe von Beispielen. Digitalisierte und verbrauchsgerechte Abrechnungssysteme zählen dazu. So kann bei der Vermietung von Autos die tatsächliche Nutzungszeit mit Hilfe von Sensoren exakt bestimmt werden. Ein anderes Beispiel stellen ortsdatenbasierte Dienstleistungen dar. Sie können dazu verwendet werden, bei einem Unfall einen Notruf automatisch an Rettungsdienste oder Polizei abzusetzen.

Herbert Jodlbauer fackelt in seinem Buch ein regelrechtes Feuerwerk einer digitalisierten Betriebswirtschaftslehre ab. Es ist ein tolles Buch, der Verfasser weiß, worüber er schreibt. Er kennt sich gut in der Welt der Digitalisierung aus. Doch Jodelbauer schreibt nicht nur über Digitalisierung, er lebt sie regelrecht. Das Buch liest sich angenehm, allein schon, weil der Verfasser relevante Begriffe durch Fettdruck hervorhebt. Jodlbauer ist ausgebildeter Mathematiker. Das merkt man, er verkünzelt sich nicht in epischen Schachtelsätzen, sondern kommt lieber gleich zur Sache.

Ohne Frage, die Schrift ist State-of-the-Art: Wer ein brandaktuelles Buch zur Digitalisierung und einen raschen Einstieg in die Thematik sucht, liegt mit diesem Buch goldrichtig. Leser, die sich bereits ein umfangreiches Wissen über Industrie 4.0 und Digitalisierung verschafft haben, werden in dem Buch von Herbert Jodlbauer zwar auch interessante Hinweise finden. Sie werden jedoch vermutlich auch auf weiterführende, vertiefende Literatur zurückgreifen.

Das Buch von Götz G. Wehberg über „Logistik 4.0: Komplexität managen in Theorie und Praxis“ ist im Springer-Gabler Verlag erschienen. Der promovierte Wehberg ist Senior Partner einer großen international operierenden Beratungsgesellschaft. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Transformation und der Effizienzsteigerung von Industrieunternehmen sowie im Logistik- und Energiebereich.

Die Schrift ist in fünf Abschnitte untergliedert. Im ersten, sehr kurzen Teil (knappe 10 Seiten) beschäftigt sich Wehberg mit dem Phänomen der Komplexität und ihren Auswirkungen auf logistische Abläufe. Das Kapitel ist zwar recht interessant zu lesen, doch etwas grundlegend Neues findet sich darin nicht. Auch gibt der Verfasser kaum konkrete Lösungen zur Minderung der Komplexitätsproblematik an die Hand. Das zweite Kapitel umschreibt Götz Wehberg lapidar mit „Was bringt die Wissenschaft?“. Hier schweift der Verfasser doch recht weit vom eigentlichen Thema ab. So beschäftigt er sich mit grundsätzlichen Ansätzen der Logistik, ihrer Evolution und ihren Wurzeln. So richtig deutlich wird es nicht, wo Wehberg eigentlich mit dem Leser hin möchte.

Auch im dritten und umfangreichsten Teil „Logistik 4.0 verstehen“ erfolgt der Einstieg nicht gerade direkt, erzählt der Verfasser doch zunächst von allgemeinen Logistik-Werten. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen bezieht sich in der Folge auf die logistische Planung in ausgewählten Arbeitsbereichen (z. B. Transport, Verpackung, Lagerhaltung). Wehberg berichtet unter anderem davon, wie die optimale Ausgestaltung des Lehrprogramms an einer Logistik-Akademie aussehen sollte, um fit für Logistik 4.0 zu sein. Interessant wird es dann, wenn er darüber schreibt, wie die Logistik der Zukunft aussehen könnte (Logistics for the Future): Wenn selbststeuernde Fahrzeuge und LKW-Drohnen verstärkt zum Einsatz kämen. Doch dann verheddert sich der Verfasser wieder, indem er abdriftet und auf allgemeine Ausgestaltungsmöglichkeiten logistischer Netzwerke zu sprechen kommt.

Im vierten Kapitel „Logistik 4.0 entwickeln“ geht er auf den möglichen Logistikwandel in den nächsten Jahren ein und welche Auswirkungen dieser beispielsweise für die Organisationstheorie hätte. Hier philosophiert Wehberg auch über Randthemen und stellt kybernetische logistische Betrachtungen an. Im letzten und fünften Teil finden sich einige knappe Ausführungen über die laut Wehberg „Relevanten Perspektiven der Logistik 4.0“. Zum Schluss möchte er schließlich stichpunktartig mit den „10 größten Irrtümern der Logistik 4.0“ aufräumen.

Auf einer der letzten Seiten seiner Schrift fasst es der Autor selbst treffsicher zusammen: „Dieses Buch bietet eine theoretische und konzeptionelle Grundlage für das Komplexitätsmanagement der Logistik und die Logistik 4.0 im Besonderen.“ Wenn man sich mit genau dieser Einstellung an die Lektüre wagt, dann wird sie dem Leser gefallen. Wer aber konkrete Lösungsvorschläge oder gar ein pragmatisches Plaudern aus dem Nähkästchen erwartet, wird enttäuscht sein. Wehberg liefert kaum Praxisbeispiele. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass es schon immer der große Wunsch des Verfassers war, genau dieses Buch zu schreiben und er sich diesen Wunsch jetzt erfüllt hat.

Der Schreibstil von Wehberg ist angemessen. Hilfreich ist das gute Stichwortverzeichnis, das den Leser zielsicher durch die Schrift führt. Der Aufbau des Buches ist stringent. Wissenschaftler werden ihre Freude daran haben, wenn sie sich für theoretische Gedanken zur Logistik interessieren. Praktiker werden die Schrift allerdings kopfschüttelnd zur Seite legen und sich fragen, wie sie die Ausführungen des Verfassers in ihrem beruflichen Alltag denn nun umsetzen sollen. Konkrete Ratschläge dafür gibt es kaum.

Herausgeber von „Logistik – eine Industrie, die (sich) bewegt. Strategien und Lösungen entlang der Supply Chain 4.0“ ist Peter H. Voß. 30 Personen haben die 19 Beiträge geschrieben. Peter Voß ist Geschäftsführer einer nach ihm benannten Beratungsgesellschaft. Bereits im Jahr 2003 war er einer der Gründer des „Club of Logistics“. Diese Institution hat ihren Sitz in Dortmund und kann als logistischer „Think-Tank“ verstanden werden. Zu ihren Mitgliedern zählen führende Köpfe der deutschen Logistikbranche. Es sind keine Wissenschaftler, sondern Praktiker in leitenden Funktionen. Der Club betreibt nach eigenem Bekunden Lobbyarbeit. Er hat sich zum Ziel gesetzt, den Austausch und den Dialog zwischen einflussreichen Personen innerhalb der Logistikindustrie sowie zwischen Logistik, Politik und Gesellschaft voranzutreiben. Viele an der Herausgeberschrift beteiligte Autoren sind aktive Mitglieder im „Club of Logistics“.

Die optische Aufmachung des Buches ist gelungen, es enthält zahlreiche Abbildungen und etliche Fotos, die dem besseren Verständnis dienen – und es ist wie aus einem Guss. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit für Herausgeberschriften. Diese erinnern häufig an Stückwerk, sie kommen teils als kunterbuntes Allerlei daher („Flickschusterei“). Hervorzuheben ist auch das Stichwortverzeichnis. Auf dieses wird in sonstigen Herausgeberschriften gern verzichtet.

Die einzelnen Beiträge hingegen sind in kein festes wissenschaftliches Schema verortet. Sie sind vielmehr locker aneinandergereiht, ohne beispielsweise in die Arbeitsschwerpunkte Beschaffungslogistik, Produktionslogistik und Distributionslogistik eingegliedert zu sein. Mancher Wissenschaftler tut sich vielleicht mit dieser freien Einordnung der Beiträge schwer. Da die behandelten Themenbereiche aber grundverschieden sind, kommt es weder zu Wiederholungen noch inhaltlichen Überscheidungen zwischen den Artikeln.

In dem Buch findet sich zum Beispiel ein Beitrag zur Supply Chain Visibility von Markus Meißner. Die Supply Chain Visibility soll zur Transparenzsteigerung innerhalb moderner Wertschöpfungsprozesse beitragen. Dadurch werden Abläufe besser planbar, Ressourcen effizienter ausgelastet, Kosten gedrückt und logistische Prozesse insgesamt stabiler. Freilich ist der Blick immer darauf gerichtet, die Kundenzufriedenheit nachhaltig zu steigern.

In einem Beitrag von Ulrich Schöpker geht es um die Telematik. Speditionen nutzen telematische Kommunikationssysteme zur modernen Verkehrssteuerung ihres Fuhrparks (Fleet Management) und optimieren mit diesen Telekommunikationssystemen ihre Fahrtrouten. Natürlich ist der Einsatz der Telematik innerhalb der Logistik nicht grundsätzlich neu. Interessant ist der Artikel dennoch, weil darin anhand eines konkreten Projektes aufgezeigt wird, wie mehrere Unternehmen gemeinsam eine telematische Lösung generierten, indem sie die Sensorik modular nutzten. Hier wird nicht bloß an der Oberfläche gekratzt, sondern genau berichtet, wie es geht und woran es bei der Umsetzung haken kann.

Peter Umundum beschäftigt sich in seinem Artikel mit der „letzten Meile“. Damit wird in der Logistik der finale Transportweg in der Wertschöpfungskette bezeichnet, also der Weg vom letzten Logistikstützpunkt (zum Beispiel einem Paketverteilzentrum) bis zum (Paket-) Empfänger. Kurier-, Expressund Paketdienste (wie DHL, UPS, Hermes oder TNT) liefern Waren an die Kunden aus. Schwierigkeiten der Zustellung resultieren beispielsweise aus der Flexibilisierung der Arbeitszeiten oder der zunehmenden Anzahl von Klein- und Singlehaushalten: wenn die Fahrer niemanden antreffen, der ihnen die Ware abnehmen kann. Umundum zeigt in seinem Beitrag konkrete Lösungsalternativen für diese und andere Schwierigkeiten auf, die mit der letzten Meile verbunden sind. In einem anderen Artikel beschreibt Phillipp Weirauch die Ausgestaltungsmöglichkeiten von Cloud Computing innerhalb der Logistik. Unter Cloud Computing versteht man, wenn internetbasierte Abwicklungen durch beteiligte Akteure gemeinsam genutzt werden. Diese Partner bündeln ihre Rechnerressourcen (Geräte, Computerleistungen, Speichkapazitäten) und schöpfen dadurch synergetische Potenziale gezielt aus. Nicht nur der Fachmann kann dem Autor folgen. Weirauch versteht sich darauf, auch den Laien an die Hand zu nehmen und ihn durch seinen Beitrag zu führen. Auch ein Nicht-Insider ist dadurch in der Lage, den Nutzen und die Gefahren von Cloud Computing für logistische Abwicklungen abschätzen zu können.

Ein anderer Beitrag mit wissenschaftlichen Anspruch wurde von vier Autoren gemeinsam verfasst. Darin geht es um die durchaus anspruchsvollen Einbindungsmöglichkeiten von Logistikdienstleistern im Kontext von Industrie 4.0. Dazu werden alternative logistische Strategien anschaulich diskutiert und durch Forschungsergebnisse untermauert.

Diese ausgewählten Artikel vermitteln einen Eindruck von der Vielseitigkeit der Themen. Besonders hervorzuheben sind die vielen Praxisbeispiele. Diese beruhen in aller Regel auf Selbsterfahrungen der Autoren. Dies ist von unschätzbarem Wert, denn somit können die Verfasser die Auswirkungen der eingesetzten Instrumente besser einschätzen, als wenn sie ihre Beispiele lediglich der sonstigen Literatur entnommen hätten. Doch darf der Leser nicht erwarten, eine konkrete Lösung für all seine logistischen Probleme geliefert zu bekommen. Dafür ist die Spannweite an möglichen Schwierigkeiten im beruflichen Logistikalltag schlicht und ergreifend zu groß. Eines haben sämtliche drei Bücher jedoch gemein: Ihnen fehlt ein kritischer Umgang mit der Digitalisierung und mit Industrie 4.0. Welche möglicherweise negativen Konsequenzen leiten sich daraus für die Menschen und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze ab? Was ist mit Hackern, die gezielt Computerviren oder Schadprogramme einschleusen und komplette Produktionsprozesse lahmlegen können? Was ist mit Industriespionage? Welche Änderungen werden sich für unser Rechtssystem ergeben? Gäbe es einen Weg zurück, wenn es in Zeiten moderner Digitalisierung plötzlich an Ressourcenverfügbarkeit mangelte? Was ist mit dem Phänomen des Gläsernen Kunden? Die Sammlung personalisierter Informationen und deren Abverkauf an irgendwelche Digital-Marketing-Agenturen schmeckt ganz sicher nicht jedem. Viele Menschen stehen nun einmal nicht auf eine erzwungene „Online-Lebensführung“, durch wen auch immer. Digitale Technologien verändern unser Sozialverhalten, digitale Begleiter bewirken Gewohnheitseffekte und verändern unser Bewusstsein. Der Mensch verliert zunehmend die Kontrolle. Ängste und Widerstände machen sich breit, immer mehr Menschen sind „Against the Smart City!“. (hw)

Prof. Dr. Hartmut Werner wurde im Anschluss an seines wirtschaftswissenschaftliches Studium Assistent des Finanzvorstands beim Handelsunternehmen JVC Germany. Anschließend wechselte er in die Industrie zu Continental Automotive Systems. Dort durchlief er in führenden Positionen die Bereiche Zentralcontrolling, F&E-Controlling, Einkaufscontrolling, Projektcontrolling, Logistikcontrolling, Zentrale Logistik und Leiter Werkslogistik. Während dieser Zeit erfolgte die externe Promotion zum „Strategischen Forschungs- und Entwicklungscontrolling“. Seit 1998 lehrt Prof. Werner Controlling und Logistikmanagement an der Hochschule RheinMain (Wiesbaden Business School).

Hartmut.Werner@hs-rm.de

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