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Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts – Quellen erschließen und präsentieren

FIZ Karlsruhe und das Landesarchiv Baden-Württemberg starten mit dem Bundesministerium der Finanzen ein gemeinsames Pilotprojekt zur digitalen Erschließung von Wiedergutmachungsakten. Die Informationen sollen, in einem Themenportal gebündelt, unter anderem für Forschungs- und Bildungszwecke online bereitgestellt werden.

Mit dem Begriff Wiedergutmachung werden die Maßnahmen Deutschlands zusammengefasst, durch die Verfolgte des Nationalsozialismus materiell entschädigt wurden. Sie bedeuten nicht, dass erlittenes Leid durch die gewährten Leistungen abgegolten werden kann. Neben den Entschädigungen, die den betroffenen Opfern direkt und persönlich zukommen, soll der Blick in Zukunft auch darauf gerichtet sein, welche Lehren aus den Menschheitsverbrechen im Nationalsozialismus gezogen werden und wie diese künftigen Generationen vermittelt werden können.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Erschließung und Präsentation aller einschlägigen Quellen. Auch das zugehörige Wissen soll an zentraler Stelle nachgewiesen, zusammengeführt und greifbar sein – verknüpft mit historischen, rechtlichen und aktenkundlichen Informationen. Die Präsentation dieser Informationen soll in einem Themenportal erfolgen – als Angebot für die Verwandten bzw. Nachkommen der Opfer, für wissenschaftliche Zwecke und für die interessierte weltweite Öffentlichkeit.

Das Pilotprojekt
Im Juli 2020 wurde mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen dem zuständigen Bundesministerium der Finanzen (BMF) und dem Landesarchiv Baden-Württemberg ein Pilotprojekt bewilligt, das die Sachakten des Landesamts für die Wiedergutmachung im Staatsarchiv Ludwigsburg über die Laufzeit von 1945 bis in die 1970er Jahre fachgerecht erschließen soll. Dabei handelt es sich überwiegend um allgemeine Verwaltungsunterlagen wie Karteien, Informationsmaterial, Berichte, Statistiken, Auswertungen und Korrespondenz der Behörde. Die Projektarbeiten sollen Ende 2022 abgeschlossen sein. FIZ Karlsruhe als Kooperationspartner des Landesarchivs bringt in dieses Projekt vor allem seine wissenschaftlich-technische Expertise aus dem Forschungsbereich Information Service Engineering (ISE) ein.

Prof. Dr. Harald Sack, Bereichsleiter ISE bei FIZ Karlsruhe: „Das Pilotprojekt ist die konsequente Fortführung unserer engen Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg und zugleich prominentes Beispiel für das verstärkte Engagement von FIZ Karlsruhe auf dem Forschungsgebiet der sogenannten Digital Humanities – verortet an der Schnittstelle zwischen Informatik und Geistes- und Kulturwissenschaften sowie den damit verbundenen Methoden wie Institutionen”. Der Beitrag von FIZ Karlsruhe im Pilotprojekt umfasst dementsprechend die Schritte nach der Digitalisierung und Strukturierung der Akten, nämlich die anschließende Anwendung automatischer Verfahren der Text- und Mustererkennung auf die erzeugten digitalen Bilddateien. Damit soll das Potenzial von Machine-Learning Methoden für die komplette inhaltliche Erschließung und die künftige Online-Stellung der Daten ermittelt werden.

Ein künftiges Themenportal „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts“ soll einen einheitlichen digitalen Zugang zu allen im Pilotprojekt erschlossenen Informationen bieten – als Bestandteil des deutschlandweiten Archivportals-D, einem Teilprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek (https://www.archivportal-d.de/). Das Archivportal-D wurde von 2012 bis 2017 geschaffen, um institutionelle Informationen, archivarische Erschließungsleistungen sowie digitalisiertes und digitales Archivgut im Internet für die wissenschaftliche Nutzung zentral und flächendeckend bereitzustellen.

https://www.fiz-karlsruhe.de/de/forschung/information-service-engineering

 

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