Editorial

„Wenn ich König von Deutschland wär“, würde ich …

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 6/2018

Auf der letzten Seite des fachbuchjournals veröffentlichen wir seit vielen Jahren einen immer gleich lautenden Fragebogen, den wir zur Beantwortung Verlegerinnen und Verlegern aus verschiedenen Häusern, großen, mittleren, kleinen – und auch ganz kleinen – vorlegen. Da die Weihnachtszeit prädestiniert ist, Wünsche zu äußern, gebe ich hier, statt meines üblichen Editorials, einige Antworten aus diesem und dem letzten Jahr auf diese eine Frage wieder: „Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche wäre es?“

  • Ich würde die Etats der Bibliotheken für das gedruckte Buch vervielfachen, viele Probleme und Verwerfungen auf dem Buchmarkt würden sich damit lösen lassen. (Dr. Andreas Rötzer, Matthes & Seitz, Berlin)
  • Die Rückkehr zur bewährten Praxis der Tantiemenaufteilung zwischen Verlagen und Autoren bei den Verwertungsgesellschaften Wort und Bild-Kunst. Dass der Furor des Martin Vogel, des Michael Kohlhaas im Buchwesen, vor den Gerichten Erfolg hatte, ist ein Desaster, dessen Folgen noch lange nicht bewältigt sind. (Dr. Frank Böttcher, Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin)
  • „Wenn ich König von Deutschland wär …“, würde ich das VLB als kostenloses und verpflichtendes Nachschlage- und Bestellwerkzeug für Buchhändler einführen. Die Auskunft „nicht lieferbar“ wird einem Kunden ja leider immer noch allzu oft erteilt, wenn ein Titel nicht beim Barsortiment gelistet ist. (Ingo Drže ˇcnik, Elfenbein Verlag, Berlin)
  • Das ist kaum gut zu beantworten. Aus der Sicht von Häusern unserer Größe und unseres Profils wäre es sicher wünschenswert, wenn politisch nicht weiter am Urheber- und Verwertungsrecht herumgedreht würde, insbesondere was Open-access-Überlegungen betrifft. Selbst öffentlich geförderte Wissenschaft verkauft (und konsumiert) sich nicht mal ebenso von selbst, und es bleibt eine genuine (teure) Leistung der Verlage, Wissen gut aufzubereiten, zu verbürgen und in dieser Form verfügbar zu machen. (Dr. Alexander Behrens, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn)
  • Dass nicht mehr der (Zwischen-)Handel den Verlagen die Bedingungen diktiert, sondern umgekehrt. Durch absurd hohe Rabatte, volles Rückgaberecht etc. haben wir uns zu Marionetten und Bittstellern degradieren lassen. Wir verschenken unsere eigenen Produkte eher als dass wir sie noch vernünftig verkaufen würden, obwohl wir das verlegerische Risiko tragen. (Dr. Nora Pester, Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin)
  • Ich würde erst einmal bestimmen, dass ich mehr als nur eine Veränderung vornehmen dürfte, die alle den Markt der wissenschaftlichen Publikationen berühren. Und dann würde ich bestimmen, dass Verlage nicht entschädigungslos enteignet werden dürfen, wie dies aktuell dank dem Ende der Verlagsbeteiligung an den VG Wort-Entschädigungen und neuem UrhWissG der Fall ist. Ich würde den Blödsinn mit der Mehrwertsteuer beenden und auch eBooks begünstigen. Ich würde die DEAL-Verhandlungen beenden und bestimmen, dass es nicht angeht, nur mit drei von knapp 600 Verlagen auf Bundesebene zu verhandeln. Ich würde mit der Wissenschaftspolitik hart in die Diskussion um aktuelle Publikations- und Qualitäts rituale gehen. Ich würde … nicht so schnell fertig werden. (Barbara Budrich, Leverkusen)
  • Dass Buchhandlungen den kleinen unabhängigen Verlagen mehr Präsentationsfläche einräumen. (Ulrich Hopp, be.bra verlag, Berlin)
  • Die Rückkehr zu einer unkomplizierten, rechtlich abgesicherten Beteiligung der Fachverlage an den Ausschüttungen der VG WORT. (Ulrich Stascheit, Fachhochschulverlag, Frankfurt am Main)
  • Mehr Neugierde. (Klaus Schöffling, Schöffling & Co., Frankfurt am Main)

Diese Antworten verdienen Gehör. In Deutschland haben wir – noch ist das so – eine weltweit wohl einzig artige und lebendige Buch- und Verlagslandschaft. Damit das so bleibt, brauchen unabhängige Verlage gezielte Unterstützung und gute rechtliche Rahmenbedingungen. Verlage brauchen aber auch uns als neugierige Leserinnen und Leser, die sich in besonderen Buchhandlungen auf die Suche nach dem wertvollen Sortiment aus kleinen und unabhängigen Verlagen machen.

Dabei wünsche ich Ihnen viele entspannende und erfolgreiche Stunden. Und vielleicht machen Sie auch in dieser Ausgabe des fachbuchjournals wieder eine Entdeckung? Meinen besonderen Tipp präsentiere ich Ihnen auf der „grünen“ Seite 4: Hans Christian Andersen als Bildkünstler. Ein wirklich wundervolles Buch! Ich wünsche Ihnen behagliche Weihnachtstage, viel Zeit zum Lesen – und natürlich einen guten Rutsch!

Angelika Beyreuther

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