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Unser Fragebogen – Julia Rondot: Auf jeden Fall mein Traumjob.

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 3/2020
Antworten von Julia Rondot, medhochzwei Verlag, Heidelberg

Was ist Ihre Erinnerung an Ihr erstes Buch? Um welches Buch handelt es sich?

An mein erstes Buch kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß noch, dass ich mit 11 „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ und die zwei Folgebände von Judith Kerr gelesen habe und mich die Geschichte unglaublich beschäftigt hat. Ich glaube, wenn ich heute noch mal Kind wäre, würde ich die Bücher von Cornelia Funke mit fantastischen Figuren und spannenden Geschichten lieben. Zumindest habe ich sie meinen Töchtern sehr gerne vorgelesen.

Ihre drei Lieblingsbücher sind …

Hm, schwer sich auf drei Bücher zu beschränken. Ich mag eigentlich alle Romane von Leon de Winter. Den Autor habe ich entdeckt, als ich während meines Studiums in einer Buchhandlung gejobbt habe. Sein Roman „Ein gutes Herz“ gefällt mir am besten. Bücher, die mich ebenfalls begeistert haben, sind der Debütroman von Juli Zeh „Adler und Engel“ und „Der Trafikant“ von Robert Seethaler.

Würden Sie Ihre Lieblingsbücher auch als eBook lesen?

Ich lese eBooks auf Reisen, damit ich nicht so viel Gepäck habe. Es bereitet mir aber mehr Freude, Bücher in Papierform zu lesen. Ich mag das haptische Gefühl, beim Lesen ein Buch in der Hand zu halten und auch mal vor- und zurückzublättern.

Entspannen Sie beim Lesen oder was sind Ihre Mittel gegen Stress?

Ja, Lesen entspannt mich und Einschlafen ohne vorher wenigstens ein paar Seiten zu lesen, ist für mich nicht vorstellbar. Ich finde es wunderbar, in Geschichten einzutauchen und lese fast alles außer Science-Fiction.

Traumjob VerlegerIn? Beruf oder Berufung?

Auf jeden Fall mein Traumjob. Ich treffe und spreche mit so vielen interessanten Menschen und es macht unglaublich Spaß, mit den Autoren neue Ideen zu entwickeln und dann am Ende ein fertiges Buch in der Hand zu halten. Aber auch die gesamten Verlagsprozesse zu steuern, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und mit dem Team neue kreative Konzepte zu entwickeln, ist einfach schön.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

2009 bekam ich die Chance, den Verlagsbereich Gesundheitswesen, den ich damals bei der Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm geleitet hatte, zu übernehmen und daraus meinen eigenen Verlag „medhochzwei“ für Fach- und Sachmedien im Gesundheitswesen zu entwickeln. Ich bin froh, diesen Schritt gewagt zu haben.

Gibt es für Sie ein Vorbild aus der Welt der VerlegerInnen?

Nein, eher nicht. Es sind vielmehr Ideen oder Projekte erfolgreicher VerlegerInnen, die mich beeindrucken und inspirieren.

Wie beginnt ein guter Tag als VerlegerIn?

Nach einem guten Frühstück bei Sonnenschein in den Verlag fahren, ein inspirierendes Autorentelefonat führen – und dann kommt der Paketbote und bringt uns die ersten Exemplare einer Neuerscheinung frisch aus der Druckpresse.

Und wie sieht ein schlechter Tag aus?

Wenn ich mich den ganzen Tag mit undankbaren Themen wie beispielsweise dem Erstellen von Löschkonzepten für den Datenschutz beschäftigen muss.

Was war das spannendste Ereignis in Ihrem Berufsleben?

Das war auf jeden Fall die Entscheidung, inmitten der Finanzkrise und mit einem Baby den Verlag zu gründen – und dann im letzten Jahr mit meinem Team, unseren Autoren und Freunden das 10-jährige Bestehen von medhochzwei zu feiern.

In einem FAZ-Interview stellte Felicitas von Lovenberg Verlegern diese Frage: Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche wäre es?

Ein Traum wäre, wenn Bibliotheken, Institutionen aber auch Unternehmen künftig mit einem ausreichend hohen Budget für Bücher und digitale Informationsangebote ausgestattet wären.

Wie viel Prozent seines Umsatzes wird Ihr Verlag im Jahr 2025 durch elektronische Informationen erwirtschaften?

Die aktuelle Corona-Krise bewirkt bei uns eine verstärkte Nachfrage nach digitalen Angeboten, gerade von institutioneller Seite aus. Das wird sich bei uns vermutlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass wir im Jahr 2025 ca. 20–25% unseres Umsatzes mit unserer Onlinebibliothek, unseren eBooks, digitalen Zeitschriften-Abos und Onlineschulungen erwirtschaften werden.

Und die große Frage am Schluss: Wie wird sich die Verlagslandschaft in den nächsten zehn Jahren verändern?

Im Fachbuchbereich werden Verlage noch mehr zu Informationsanbietern, die alle medialen Kanäle miteinander verknüpfen müssen. Die Margen werden durch die erforderlichen finanziellen Aufwände kleiner und gerade für kleine Verlage werden Kooperationen wichtiger. Dennoch haben diese, wenn sie ihre Nische gefunden haben, durch Schnelligkeit und Kreativität gute Chancen, auch in Zukunft zu bestehen. Und natürlich wird das gedruckte Buch weiterhin wichtig sein – darum gibt es uns Verlage doch!

 

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