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Unser Fragebogen – Benno Käsmayr

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 4/2021
Antworten von Benno Käsmayr, MaroVerlag, Augsburg

Was ist Ihre Erinnerung an Ihr erstes Buch? Um welches Buch handelt es sich?

Da ich in einer buchfernen Familie aufwuchs, hatte ich zunächst nur das Lesebuch der 1. Klasse, das ich sofort geliebt habe. In den darauffolgenden Schuljahren war aber Lesen, Lesen und nochmals Lesen angesagt. Die Bücher besorgte ich mir in der Pfarrbücherei, Leihbücherei und in allen schulbegleitenden Bibliotheken.

Ihre drei Lieblingsbücher sind …

Tim Parks, Die Kunst stillzusitzen Philipp Roth, Mein Leben als Sohn Max Mohr, Venus in den Fischen

Würden Sie Ihre Lieblingsbücher auch als eBook lesen?

Auf keinen Fall! Da würde mir die Haptik fehlen.

Entspannen Sie beim Lesen oder was sind Ihre Mittel gegen Stress?

Das hängt vom Buch ab. Ansonsten helfen eine Tasse Kaffee, eine Zigarette und An-nichts-denken in der Regel ganz gut.

Traumjob VerlegerIn? Beruf oder Berufung?

Wohl Berufung: Vom Intensiv-Leser zum Redakteur der Schülerzeitung mit der Rubrik „Wir stellen neue Autoren vor“. Nach dem Abitur besuchte ich 1968 die Frankfurter Buchmesse und die dort ausstellenden kleinen Verlage gaben den Impuls: ›Was die können, kann ich auch.‹

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Durch einen studienbegleitenden Job in einer kleinen (Dissertations-)Druckerei lernte ich die Buchherstellung von der Pike auf. Gegen Materialkostenerstattung (Verrechnung mit dem Lohn) konnte ich die ersten Bücher nach Feierabend selbst drucken und binden. Der Weg zur Selbständigkeit mit Verlag und angeschlossener kleinen Druckerei war die logische Folge.

Gibt es für Sie ein Vorbild aus der Welt der VerlegerInnen?

Klaus Wagenbach, Michael Krüger, Antje Kunstmann

Wie beginnt ein guter Tag als VerlegerIn?

Ein guter Tag beginnt am Morgen mit der Süddeutschen Zeitung und einer Tasse Kaffee auf einer windgeschützten Terrasse.

Und wie sieht ein schlechter Tag aus?

Wenn remittierte Bücher so schlecht verpackt bei uns eintreffen, dass sie sofort ins Altpapier wandern …

Was war das spannendste Ereignis in Ihrem Berufs­ leben?

Das spannendste in der Geschichte des MaroVerlags war die Herausgabe von Gilbert Sorrentinos „Mulligan Stew“. Nachdem zwei große Verlage den umfangreichen Band wegen „Nichtübersetzbarkeit“ abgelehnt hatten, wagten wir uns daran. Durch Subskription von 100 Vorzugsausgaben (Hardcover in schwarzem Leder mit 2-farbiger Prägung, zwei Lese­ bändchen, nummeriert und signiert) zu je 230,00 DM hatten wir genügend Kapital, um das Projekt zu beginnen. Die Agentur gab uns vier (statt üblicher zwei) Jahre Zeit, um die Übersetzung zu realisieren, die wir in monatlichen Raten abstottern konnten. Als das Buch fertig war, wurde es in allen überregionalen Zeitungen auf der ersten Seite des Feuilletons gefeiert.

In einem FAZ-Interview stellte Felicitas von Lovenberg Verlegern diese Frage: Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche ­wäre es?

Da derzeit die Preiserhöhungen in der Logistik so stark zunehmen, wäre es wünschenswert, wenn sich die Barsortimente zu einem gemeinsamen Bücherwagendienst entschließen würden. Es ist doch ökologisch unsinnig, dass drei verschiedene Unternehmen parallel die gleiche Dienstleistung erbringen und dabei selbst kaum genug verdienen. Die Kooperation zwischen Umbreit und KNV war ja schon ein Hoffnungsschimmer.

Wie viel Prozent seines Umsatzes wird Ihr Verlag im Jahr 2025 durch elektronische Informationen erwirtschaften?

Nicht mehr als 5 Prozent.

Und die große Frage am Schluss: Wie wird sich die Verlagslandschaft in den nächsten zehn Jahren verändern?

Ich befürchte, dass sich die Konzentration im Buchhandel und bei den Verlagen in den nächsten Jahren noch weiter verstärken wird. Darin sehe ich eine Gefahr für die Bibliodiversität und eine echte Herausforderung für ­unabhängige Verlage.

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