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Unser Fragebogen – Dr. Alexander Behrens

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 2/2018

Antworten von Dr. Alexander Behrens, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn


Was ist Ihre Erinnerung an Ihr erstes Buch? Um welches Buch handelt es sich?

Das erste selbst gelesene Buch, an das ich mich erinnere: „Pitje Puck hat Glück im Unglück“ – aber das wollen Sie nicht ernsthaft wissen. Meine erste selbstgewählte literarische Lektüre war „Unterm Rad“, passend zum 13. oder 14. Lebensjahr.

Ihre drei Lieblingsbücher sind…

Im Moment: „Der Leopard“ (nicht die Pardelkatze o. Ä.) – „Die Insel des zweiten Gesichts“ – „Germinal“. Das kann in drei Monaten aber schon wieder ganz anders sein.

Würden Sie Ihre Lieblingsbücher auch als eBook lesen?

Nein.

Entspannen Sie beim Lesen, oder was sind Ihre Mittel gegen Stress?

Zum Entspannen lese ich nie! Was ich gern lese, und ich lese viel, regt mich meistens an oder auf. Entspannen kann ich beim Kochen, Essen, Trinken, Klavierspielen und Sport.

Traumjob VerlegerIn? Beruf oder Berufung?

Also aufgeben würde ich meinen wunderbaren Beruf nie und um keinen Preis. So viele interessante Menschen, so großartige Kolleginnen, so viele kluge Texte, und jeden Tag ein paar kuriose Geschichten und Situationen gratis. Schon ein Traum. Aber lieber wäre ich Musiker geworden.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Während des Studiums fing ich an, frei für die DVA zu lektorieren. Daran schlossen sich fünf Jahre enger Zusammenarbeit mit Peter Merseburger an, von dem ich ungeheuer viel gelernt habe. Ab da steckte ich drin im Lektorenberuf. Dietz stellte mich irgendwann fest an, ein kleiner Verlag mit viel Potenzial. Schließlich kam das Angebot, die Leitung zu übernehmen. Am Ende hat meine Familie mir erlaubt, dieses Angebot, das mit vielen zeitlichen Einschränkungen verbunden ist, anzunehmen. Angestrebt habe ich diesen Job nicht, wir haben eher zueinander gefunden.

Gibt es für Sie ein Vorbild aus der Welt der VerlegerInnen?

Oh, viele. Große Namen aufzuzählen, ist peinlich. Manchmal wäre ich vielleicht gern so ein bunter Hund, wie Ledig-Rowohlt einer war. Bin ich aber leider nicht. So ist das mit Vorbildern. Ein weiteres Problem dabei: Wer kennt schon den Alltag eines bedeutenden Verlegervorbilds. Mir fehlt da der Vergleich. Aber Rowohlts Bucherfolge hätte ich natürlich schon gerne bei Dietz.

Wie beginnt ein guter Tag als VerlegerIn?

Mit drei Tageszeitungen und zwei Kaffee. Und wenn mir dann noch ein begehrter Autor oder eine begehrte Autorin zusagt, die ich gern im Programm hätte und lange bitten musste, oder wenn die Presse uns herzt, dann geht der Tag sogar gut weiter. Wenn man ehrlich ist, halten sich die Momente, wo man sich als Verleger fühlen darf, sehr in Grenzen.

Und wie sieht ein schlechter Tag aus?

Wenn man merkt, dass man Mist gebaut hat – man selbst, nicht die anderen. Sowas kommt vor. Auch unfaire Rezensionen (damit meine ich nicht automatisch Verrisse) können meine Laune beeinflussen. Aber wirklich schlechte Tage gibt es nur wenige.

Was war das spannendste Ereignis in Ihrem Berufsleben?

Einer der aufregendsten Momente war sicherlich, als Rolf Hochhuth – seine Biografin Birgit Lahann und mich im Schlepptau – nachts in Berlin von fünf Bereitschaftspolizisten am Durchbrechen einer Demonstrationsbarriere gehindert wurde. Aber ich bin erst Ende 40. Ich hoffe, das Spannendste kommt noch!

In einem FAZ-Interview stellte Felicitas von Lovenberg Verlegern diese Frage: Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche wäre es?

Das ist kaum gut zu beantworten. Aus der Sicht von Häusern unserer Größe und unseres Profils wäre es sicher wünschenswert, wenn politisch nicht weiter am Urheber- und Verwertungsrecht herumgedreht würde, insbesondere was Open-access-Überlegungen betrifft. Selbst öffentlich geförderte Wissenschaft verkauft (und konsumiert) sich nicht mal ebenso von selbst, und es bleibt eine genuine (teure) Leistung der Verlage, Wissen gut aufzubereiten, zu verbürgen und in dieser Form verfügbar zu machen.

Wie viel Prozent seines Umsatzes wird Ihr Verlag im Jahr 2020 durch elektronische Informationen erwirtschaften?

Ein paar Prozent mehr als jetzt. 12 % oder 13 %?

Und die große Frage am Schluss: Wie wird sich die Verlagslandschaft in den nächsten zehn Jahren verändern?

Weniger kleine Verlage, immer größere Gruppen. Weiterhin viele Titel, in Durchschnitt aber kleinere Printauflagen und immer höher und besser ausgestattete Bücher, mehr elektronische Träger und trotzdem recht gute Umsätze. Denn Verlage bleiben, was sie im Kern schon immer waren: Informationsknotenpunkte und Agenturen, die zwischen Kultur, Wissenschaft und Markt vermitteln, um den großen Hunger nach Wissen, Wahrheit und Weltdeutung zu stillen. „Gestorben wird immer“ – gelesen auch.

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