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Tectum, Ergon, Nomos Bewahrenswertes bewahren, Traditionslinien nicht verwischen, Synergien herstellen

Aus: fachbuchjournal Ausgabe 1/2018

Der Tectum Verlag aus Marburg und der Ergon-Verlag aus Würzburg erweitern seit 1. Januar 2017 bzw. 1. Juli 2017 das Wissenschaftsprogramm bei Nomos. Wir ließen den Verlagen Zeit, sich in der neuen Situation zurecht zu finden. Jetzt wollten wir es aber genauer wissen und befragten Dr. Martin Reichinger, Nomos-Programmleiter Sozial- und Geisteswissenschaften. Wie klappt das Zusammenleben und wohin geht die gemeinsame Reise? (ab)

Auf welche Publikationsschwerpunkte der beiden Verlagshäuser war Nomos besonders erpicht? Welche Programmbereiche sehen Sie bei Nomos in Zukunft besonders gestärkt?

Tectum steht für ein humanistisch inspiriertes Wissenschaftsprogramm und akzentuiert mit seinen Sachbüchern die Themen, die uns aktuell bewegen: Nachhaltigkeit, Ökologie, Gesundheit, Globalisierung, Religion sowie Politik und Zeitgeschehen. Der renommierte Ergon-Verlag bereichert unser Portfolio insbesondere um Programmpunkte bei Religionssoziologie, Philosophie, Orientalistik und Judaistik. Als kulturund geisteswissenschaftlich geprägte Verlage ergänzen Tectum und Ergon gleichermaßen die sozialwissenschaftlichen Schwerpunkte des Nomos-Hauptprogramms. Die Geisteswissenschaften schließen damit zu den Sozialwissenschaften auf.

Haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Verlagshäuser Tectum und Ergon unter dem Dach von Nomos in Baden-Baden Platz gefunden?

Wir führen sowohl Tectum als auch Ergon in unveränderter Personalstärke weiter – und damit wäre der Platz im NomosVerlagshaus mittelfristig tatsächlich zu eng geworden. Der Verlag brummt wie ein Bienenstock und platzt aus allen Nähten! Die Stadt Baden-Baden hat daher unseren Bauantrag zur Vergrößerung des Gebäudes im Herbst bewilligt. Wir rechnen mit der Fertigstellung der neuen Büroräume für insgesamt 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zum Frühjahr 2018.

Die beiden Verlage hatten bisher ja ihre Standorte in den quirligen Universitätsstädten Marburg und Würzburg. Wie haben die Neuen von Tectum und Ergon denn den Umzug ins eher beschauliche Baden-Baden verkraftet?

Der Standort Baden-Baden hat einen hohen repräsentativen Charakter und sucht kulturell, klimatisch, kulinarisch seinesgleichen. Nicht von ungefähr gilt die Lebensqualität hier im Südwesten als eine der höchsten im gesamten Bundesgebiet. Die Belegschaft bei Nomos schätzt dabei die unmittelbare Nachbarschaft zu Frankreich, die günstige ICE-Anbindung an die Rheintalstrecke und die vorteilhafte Lage zwischen den – ebenfalls quirligen – Universitätsstädten Freiburg und Karlsruhe. Bald werden vom Airpark Baden auch wieder Flieger nach Berlin abheben. Für uns ist das wichtig, denn viele unserer sozial- und geisteswissenschaftlichen Autoren, Herausgeber und Kooperationspartner sind in der Bundeshauptstadt angesiedelt.

Bleiben die beiden Verlage in der Programmgestaltung eigenständig?

Tectum und Ergon bleiben innerhalb der Nomos Verlagsgesellschaft in Programmgestaltung, Lektorat, Herstellung und Marketing absolut eigenständig. Sämtliche Buch-, Reihenund auch Zeitschriftenformate werden fortgeführt. Vor dem Hintergrund der einzelnen Verlagsschwerpunkte gelingen uns bereits heute programmatische Synergien. Mit anderen Worten decken Nomos, Tectum und Ergon gemeinsam das gesamte sozial- und geisteswissenschaftliche Themenspektrum ab, und dies lückenlos.

Was wurde wegrationalisiert, was gebündelt?

Das Wort „Wegrationalisieren“ würden wir uns nicht gerne zu eigen machen wollen, denn wir haben, im Gegenteil, sehr darauf geachtet, das Bewahrenswerte der beiden Verlagshäuser tatsächlich zu bewahren und die Traditionslinien nicht zu verwischen. Jeder erfolgreiche Verlag hat ein Erfolgsgeheimnis, das es zu ergründen gilt. Natürlich stellen wir Synergien her, dort, wo dies unternehmerisch sinnvoll ist. Derzeit ist das vor allem beim Druck und im Vertrieb der Fall, insbesondere auch bei den elektronischen Services. Und die Synergieeffekte machen sich bereits bemerkbar.

Werden alle Titel jetzt über die Nomos eLibrary angeboten?

In der Tat dürfen sich die Autorinnen und Autoren des Tectum und des Ergon-Verlags auf die „eLibrary“ freuen, die in Zukunft für eine noch größere Verbreitung ihrer Buchtitel sorgen wird. Für das relativ umfangreiche Tectum-Programm mit jährlich rund 200 Neuerscheinungen haben wir eine eigene „Tectum eLibrary“ aufgestellt, die der „Nomos eLibrary“ in Form und Funktion vollkommen gleicht. Die Titel des Ergon-Verlags hingegen werden über die „Nomos eLibrary“ vertrieben. Mit dem neuen Content gelingt es uns zwischenzeitlich, rein geisteswissenschaftlich sortierte Bibliotheken anzusprechen und mit einer Vielzahl exzellenter Werke auszustatten.

In den Geisteswissenschaften war man durchaus gegenüber der Digitalisierung etwas reserviert. Was sind Ihre Prognosen?

Wir sehen in der Möglichkeit, den Bibliotheken und dem Fachpublikum die Programme „Tectum“ und „Ergon“ mithilfe der eLibrary digital darzureichen, eine entscheidende Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung der beiden Verlage. In dieser zeitgemäßen Informationsvermittlung steckt selbstverständlich auch für unsere geisteswissenschaftlichen Autoren und Herausgeber die Chance, die internationale Sichtbarkeit für ihre Forschung zu erhöhen. Ich bleibe daher unternehmerisch optimistisch.

Welche Rolle spielt Open Access bei den beiden Neuzugängen? Was sind Zukunftspläne? Welche Open-AccessModelle bieten Sie an und welche werden Sie anbieten?

Wir können im Nomos-Hauptprogramm zwischenzeitlich auf zahlreiche Buchtitel im Format „Open Access“ verweisen und verlegen zudem mehrere Open-Access Journale, die z.T. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mitfinanziert werden. Insofern ist Open Access auch für Tectum und Ergon eine ernst zu nehmende Option.

Diese Frage stellen wir im fachbuchjournal immer auf unserer „Letzten Seite“ gleichlautend Verlegerinnen und Verlegern. Jetzt will ich die Gelegenheit beim Schopfe packen und diese Frage auch mal einem Programmleiter Sozial- und Geisteswissenschaften stellen. Die Frage lautet so: „In einem FAZ-Interview stellte Felicitas von Lovenberg Verlegern diese Frage: Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche wäre es?“

Die Deutsche UNESCO-Kommission sprach anlässlich des Welttags der Alphabetisierung am 8. September von weltweit 750 Millionen Analphabeten im Erwachsenenalter. Diese vielen Menschen das Lesen und Schreiben zu lehren und ihnen die Teilhabe am Buchmarkt zu ermöglichen – das wäre schön.

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