Medizingeschichte

Parkinson – Zwang zur Langsamkeit

Einer der prominentesten Parkinson-Patienten ist der Hollywood-Star Michael J. Fox, der bereits mit 30 Jahren erste Anzeichen spürte. Er benötigte einige Jahre, bis er begann, die Folgen zu akzeptieren, damit an die Öffentlichkeit ging und sich seitdem dafür engagiert, die Akzeptanz für diese Erkrankung in der Gesellschaft zu erhöhen. Allerdings muss man seinen Blick gar nicht nach Hollywood richten, um mit Parkinson konfrontiert zu werden.

Einer der prominentesten Parkinson-Patienten ist der Hollywood-Star Michael J. Fox, der bereits mit 30 Jahren erste Anzeichen spürte. Er benötigte einige Jahre, bis er begann, die Folgen zu akzeptieren, damit an die Öffentlichkeit ging und sich seitdem dafür engagiert, die Akzeptanz für diese Erkrankung in der Gesellschaft zu erhöhen. Allerdings muss man seinen Blick gar nicht nach Hollywood richten, um mit Parkinson konfrontiert zu werden. Im privaten Umfeld gibt es viele Betroffene, die aus Angst vor Zurückweisung versuchen, die Krankheit zu verbergen und sich zurückziehen. Um nicht negativ aufzufallen, vermeiden sie beispielsweise Essen und Trinken in der Öffentlichkeit, weil Zittern diese einfachen Handlungen erschwert. Wer nicht das Glück hat, ein einfühlsames soziales Umfeld zu haben, vereinsamt. „Parkinson. Der Ratgeber für Betroffene & Angehörige“ von Dr. med. Willibald Gerschlager rät Erkrankten daher unter anderem, mit Angehörigen und Freunden über die Krankheit zu sprechen und sich nicht zurückzuziehen. Der Neurologe aus Wien, der auf die Behandlung und Erforschung von neurodegenerativen Erkrankungen spezialisiert ist, hat mit seinem Ratgeber, der 2017 bereits in der 2. Auflage erschienen ist, ein überaus hilfreiches Buch veröffentlicht. Es ist sehr gut lesbar und meiner Meinung nach der derzeit aktuellste und beste Ratgeber in deutscher Sprache. In farbigen Servicekästen wird Fachwissen in verständlicher Sprache zusammengefasst, zudem gibt es immer wieder konkrete Tipps. Bereits auf dem aufklappbaren Umschlag werden konkrete Hilfestellungen für Betroffene aufgelistet, die dazu ermutigen, positiv und aktiv mit der Erkrankung umzugehen. Es folgt ein kurzer Abschnitt über James Parkinson und die Häufigkeit des Krankheitsbildes. Danach werden mögliche Ursachen der Krankheit diskutiert. Die nächsten Inhaltsblöcke widmen sich den Symptomen und dem Verlauf der Erkrankung sowie der Diagnose und den anstehenden Untersuchungen. Ausführlicher werden die verschiedenen medikamentösen Therapien dargestellt. Danach geht der Autor auf weitere Therapiemöglichkeiten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium ein. Schließlich befasst sich der Ratgeber mit neuropsychiatrischen und vegetativen Symptomen sowie Tagesmüdigkeit und Schlafstörungen. Er gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Parkinson-Therapie und geht auch kurz auf nicht-medikamentöse Therapien ein. Das Buch wird abgerundet durch einen kurzen Abschnitt darüber, wie es nach der Diagnose hinsichtlich Arbeit und Wohnen weitergehen kann. Im ausführlichen Anhang werden die Berichte eines Betroffenen und eines Angehörigen veröffentlicht, zudem kommt die Parkinson Selbsthilfe Wien zu Wort, die beim Ratgeber unterstützend mitwirkte. „Parkinson. Über 200 ExpertenAntworten zu den wichtigsten Fragen“ des Autorenteams Prof. med. Reiner Thümler und Dr. med. Björn Thümler ist ein Klassiker der Parkinson-Literatur für Patienten. Das Buch von Vater und Sohn, beides Neurologen, ist 2016 in der 4. Auflage erschienen und wird von der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. empfohlen. Nach dem Motto „Besser verstehen – besser damit umgehen“ strukturiert es Fachwissen verständlich und portioniert es in gut verdaulichen Wissenshappen in Form von 200 Fragen und Antworten. Die Fragen werden nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und gemäß der persönlichen Erfahrungen der Autoren beantwortet. Prof. Reiner Thümler war über 20 Jahre als Chefarzt in der Abteilung für Neurologie und Neurologischen Frührehabilitation der Rheinhessen-Fachklinik Alzey tätig, gibt Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Parkinson und ist Mitglied der Forschungsfördergruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung. Ähnlich wie bei dem Ratgeber von Dr. Gerschlager gibt es Zusammenfassungen und Tipps in farbigen Kästen, die jedoch seltener in den Text integriert sind. Der Titel ist inhaltlich in fünf Schwerpunkte untergliedert: „Die Krankheit verstehen“, „Die Krankheit erkennen“, „Verlauf und Begleiterscheinungen“, „Therapie der Parkinson-Krankheit“ sowie „Den Alltag bewältigen“ und liefert Orientierung und Halt für Betroffene. Begleitend zu den beiden vorgestellten Wissenstiteln für Patienten, die in erster Linie Aufklärungsarbeit leisten und versuchen, der Krankheit durch Information den Schrecken zu nehmen, sind auch zwei aktuelle Übungsbücher erschienen, die zur Bewegung motivieren.

Willibald Gerschlager: Parkinson. Der Ratgeber für Betroffene & Angehörige. Wien: 2017 maudrich Verlag, 2. überarb. Aufl. 202 S. Kart. ISBN: 978-3990020340. 19,40 €.

 

Reiner Thümler/Björn Thümler: Parkinson. Über 200 Experten-Antworten zu den wichtigsten Fragen. Stuttgart: 2016 TRIAS Verlag, 4. Aufl. 208 S. mit 28 Abb. Kart. ISBN: 978-3-432-10296-2. € 19,99.

 

Elmar Trutt: Parkinson. Das Übungsbuch. Aktiv bleiben mit Bewegungs-Übungen. Stuttgart: 2017 TRIAS Verlag, 1. Aufl. 144 S. mit 110 Abb. Kart. ISBN: 978-3-432-10339-6. € 19,99.

 

Harald Jansenberger, Johanna Mairhofer: Hausaufgaben für Patienten mit Parkinson. Übungen und Hilfestellungen für Betroffene und Angehörige. Schorndorf: 2017 Hofmann-Verlag, 2. Aufl. 96 S. Kart. ISBN: 978-3-7780-1432-5. € 14,90.

 

Henk Blanken: Da stirbst du nicht dran. Was Parkinson mir gibt. (Übersetzt aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke). Ostfildern: 2017 Patmos Verlag. 240 S. Hardcover mit SU. ISBN: 978-3-8436-0850-3. € 20.

„Parkinson. Das Übungsbuch. Aktiv bleiben mit BewegungsÜbungen“ besticht bereits auf den ersten Blick durch ein übersichtliches Layout, viele klare Übungsbilder und eine freundliche Aufmachung in hellen Farben. Durch das Buch begleiten den Leser immer wieder Zeichnungen des „Parkinsonmonsters“, das Betroffene durch gezielte Aktivität ärgern sollen, um es klein zu halten. Die Übungseinheiten und Hilfestellungen sind aufgegliedert in die drei Themenbereiche „Bleiben Sie in der Frühphase aktiv“, „Hilfen bei Fortschreiten der Erkrankung“ sowie „Körperlagenwechsel und Sturzprophylaxe“. Der Autor Elmar Trutt ist leitender Physiotherapeut an der Parkinson-Klinik Ortenau. Sein Motto lautet: „Sie als Patient sind Ihrer Krankheit nicht hilflos ausgeliefert – durch konsequentes Üben und konzentriertes Training Ihres Körpers können Sie aktiv Ihren Teil dazu beitragen, möglichst lange mobil zu bleiben und den Verlauf Ihrer Erkrankung zu mildern“. Abgerundet wird das Übungsbuch, das von der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. empfohlen wird, durch Interviews mit verschiedenen Experten unterschiedlicher Fachrichtungen. „Hausaufgaben für Patienten mit Parkinson. Übungen und Hilfestellungen für Betroffene und Angehörige“ ist der dritte Band aus der „HausaufgabenReihe“, der 2017 bereits in der 2. Auflage erschienen ist. Das Autorenteam bilden der Sportwissenschaftler und Trainer für Sturzrehabilitation Harald Jansenberger und die Ergotherapeutin Johanna Mairhofer, MA. Das Layout wirkt zwar nicht so frisch wie bei Trutts Übungsbuch, dafür ist die Gliederung sehr übersichtlich und die alltagsorientierten Bewegungsübungen werden nach Positionen (Am Boden, Im Sitzen, Im Stehen) beschrieben. Der Titel enthält zudem Übungen für die Feinmotorik, reflektiert in einem kurzen Abschnitt über den Einsatz von Musik und wird abgerundet durch eine Beschreibung von Hilfsmitteln für den Außen- und Wohnbereich. „Da stirbst du nicht dran“ des niederländischen Vollblutjournalisten Henk Blanken gewährt einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben, nachdem er mit 51 Jahren die Diagnose Parkinson erhielt. Die Krankheit zwingt den erfolgreichen Berufsschreiber, der immer unter Strom stand, zur Langsamkeit. Sein Gedächtnis lässt nach, ebenso seine motorische Kontrolle. Blankens Geschichte ist packend und berührt den Leser. Es geht um das Annehmen des Verfalls, aber auch um die Frage, wie lange ein Leben lebenswert ist.

Stefanie Engelfried ist freie Journalistin, die langjährig für einen Medizinverlag tätig war. Sie lebt mit Mann, Kind und viel Geschichte in einem 400 Jahre alten Fachwerkhaus in Ditzingen.

stefanie.engelfried@gmx.net

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