Betriebswirtschaft, Wirtschaft

Moderne Unternehmensführung

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 5/2018

Generationen von Management Gurus suchen schon seit Jahrzehnten eine Antwort auf die Gretchenfrage, welches der beste Weg sei, ein Unternehmen zu lenken. Welcher Führungsstil passt zu einem Betrieb? Wann ist die autoritäre Variante zu bevorzugen, wann die kooperative? Wie sollen Mitarbeiter motiviert werden? Die radikalen Methoden der beiden amerikanischen Unternehmensberater Thomas J. Peters und Robert H. Waterman, die in den 80er Jahren den Ton angaben, sind vielleicht heute noch modern und zeitgemäß. So empfahl Waterman seinerzeit: „Geben Sie ihren Mitarbeitern Arbeit, bei der sie ihre Fähigkeiten voll ausschöpfen müssen. Geben Sie ihnen alle notwendigen Informationen. Erläutern Sie klipp und klar, was es zu erreichen gilt. Und dann – lassen Sie sie in Ruhe.“ Kein schlechter Rat für die optimale Mitarbeiterführung? Grundsätzlich gilt: Auf Grund der sich immer rascher wandelnden Rahmenbedingungen wird es für Unternehmer und Führungskräfte immer schwieriger, gesetzte Ziele zu erreichen. In drei vorliegenden Büchern geht es um die Klärung von Fragen zur modernen Unternehmensführung.

Lambertz, Mark, Die intelligente Organisation: Das Playbook für organisatorische Komplexität, Business-Village-Verlag, 2018, 281 Seiten, EUR 24,95, ISBN 978-3-86980-409-5.

Klitschko, Wladimir, Challenge Management. Was Sie als Manager vom Spitzensportler lernen können, Campus-Verlag, 2017, 214 Seiten, EUR 24,95, ISBN 978-3-593-50746-0.

Thomaschewski, Dieter/Völker, Rainer, Hrsg., Wachstum im Wandel: Herausforderungen für die Unternehmensführung im 21. Jahrhundert, Kohlhammer-Verlag, 2017, 243 Seiten, EUR 49,00, ISBN 978-3-17-031544-0.

Mark Lambertz, Autor von „Die intelligente Organisation“, 1971 in Düsseldorf geboren, war 1995 einer der Gründer der Digitalagentur „anyMOTION“ in Düsseldorf, deren Geschicke er knapp 20 Jahre lang lenkte. Dann schied er freiwillig aus dem Unternehmen aus, um Neues auszuprobieren. Aktuell arbeitet Lambertz als Berater und Coach zu Themen rund um die Digitalisierung. Mark Lambertz polarisiert gern und auch sein Erscheinungsbild ist auffällig: Glatze und Rauschebart. Lambertz rückt das Modell des „Viable Systems“ in den Mittelpunkt und interpretiert den Ansatz recht frei. Das Viable Systems Model wurde in seiner Ursprungsversion bereits 1959 von dem Briten Stafford Beer (1922–2002) begründet, der dies in seinem Buch „Kybernetik und Management“ näher vorstellte. Dabei geht es darum, wie das System „Unternehmen“ langfristig überlebensfähig sein kann. Dazu passt sich das Unternehmen selbständig bei inneren und äußeren Änderungen an, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren. Das Viable System Model besteht aus fünf Bausteinen. Auf der untersten Ebene finden sich operative Einheiten, die den „Wertschöpfungsprozess“ abbilden. Dann folgen die Bereiche „Koordination“, „Optimierung“ und „Zukunftsplanung“ sowie als letztes die oberen „Entscheidungsfunktionen“ („Managementebene“). Dieser leitende Bereich greift nur ein, wenn die anderen vier Subsysteme sich zuvor nicht auf den künftig einzuschlagenden Weg verständigen konnten. Stafford Beer leitete aus seinem Viable System Model wichtige Grundfunktionen für die moderne Organisationstheorie ab. Seinerzeit muteten die Ausführungen geradezu revolutionär an. So kommt es nicht von ungefähr, dass das bekannte St. Galler Management-Modell zu weiten Teilen auf dem Viable System Model fußt.

In seinem Buch zur „Intelligenten Organisation“ bezieht sich Mark Lambertz explizit auf dieses Viable System Model von Stafford Beer, modernisiert jedoch die Gedanken Beers und transferiert diese in unsere Zeit. Er rückt die zunehmende Komplexität von Unternehmensabläufen in den Mittelpunkt. Die Schrift untergliedert sich in vier Teile. Im ersten Abschnitt beschäftigt er sich mit einer grundlegenden Darstellung des Viable System Models. Anschließend stellt er das Unternehmen als System dar und bezieht sich dabei auf Hans Ulrich, einer der Wegbereiter der St. Galler Schule. Anhand einiger Metaphern (entlehnt aus dem Schach, dem japanischen Brettspiel „Go“ sowie diversen spieltheoretischen Überlegungen) nähert sich Mark Lambertz dabei dem Phänomen der Komplexität an. Im zweiten Teil beschreibt er das Viable System Model aus seiner Sicht und stellt den stufenweisen Aufbau des Modells in Bezug zur deutschen Fußballnationalmannschaft: Er spricht von „Spielern“, der „Mannschaft“ und dem „Trainer“ und so liest sich dieser Teil sehr flüssig. Die Umwelt eines Unternehmens besteht bei Lambertz nicht aus Lieferanten, Banken oder Kunden sondern aus Fans, Medien, Verbänden und Sponsoren. Im dritten Teil seines Buches geht es um die Übertragung des Viable System Models in das betriebliche Umfeld. Hier plaudert er aus dem Nähkästchen und geht ausführlich auf die Düsseldorfer Digitalagentur „anyMOTION“ ein, für deren Erfolg er viele Jahre maßgeblich verantwortlich zeichnete. In einem Praxisbeispiel beschreibt er die Modellübertragung auf den in Neustadt bei Coburg ansässigen Federnhersteller „Dietz“. Das dritte Fallbeispiel wird in einem Gastbeitrag von Alfred Doll vorgestellt: Darin geht es um den Transfer des Viable System Models auf die „Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul“ aus dem baden-württembergischen Untermarchtal. Im abschließenden Teil erklärt der Autor, wie der Leser das Viable System Model auf sein eigenes Unternehmen übertragen kann und gibt Anregungen für die unterschiedliche Ausgestaltung und Durchführung von Meetings (z. B. Team-Kadenz, Fortschrittsbericht, Action Review, Workshop, Ideengenerierung). Das interessante Buch liest sich gut. Der Autor vermeidet – in seinen eigenen Worten – „Fachchinesisch“. Vielleicht finden manche Leser den Schreibstil sogar etwas flapsig, andere werden sagen, dass man nun einmal heutzutage in der digitalen Zeit so spricht: Hier werden Kreativität, direkte Ausdrucksweise und Kumpelmentalität groß geschrieben (ohne den obligatorischen Tischkicker als Equipment zu vergessen). Die vielen gelungenen Illustrationen von Renata Filipovic, der Ehefrau von Mark Lambertz, passen in dieses Bild: Immer ein wenig provokant, teils lustig aufbereitet, aber stets mit einer Botschaft versehen. Amüsant und wohl typisch für den Autor bedankt sich dieser bei seiner Frau mit diesen Worten: „Du bist der Mensch der mich am wenigsten nervt!“.

Der Autor des zweiten Buches ist kein Unbekannter: Wladimir Klitschko ist der jüngere Bruder von Vitali Klitschko. Beide Namen verbindet man mit dem Profiboxen. Wladimir Klitschko, 1976 in der Kasachischen Stadt Semipalatinsk (heute: Semei) geboren, ist ehemaliger Boxweltmeister. Der 198 cm große Champion ging in 67 bestrittenen Kämpfen bis zum Jahr 2015 64-mal als Sieger hervor, in 54 Fällen sogar vorzeitig. Bei den Olympischen Spielen in Atlanta gewann er 1996 die Goldmedaille im Schwergewicht. Mittlerweile entwickelte sich Wladimir Klitschko zum erfolgreichen Unternehmer. Zusammen mit Vitali gründete er 2007 in Hamburg eine Vermarktungsagentur und doziert, vorwiegend zu Motivationsthemen, an der Universität St. Gallen. Bei seinem Buch „Challenge Management“ wirkte die Wirtschaftsjournalistin Stefanie Bilen mit, die SAAL ZWEI, ein Online-Business-Magazin für Frauen herausgibt und 2016 das Buch „Mut zu Kindern und Karriere“ veröffentlicht hat.

„Was Sie als Manager vom Spitzensportler lernen können“, so heißt der Untertitel von „Challenge Management“. Es geht um die „Herausforderung“, wie man sich vom passiven Betrachter zum handelnden Akteur entwickeln kann. Im ersten Teil wird dabei das Leben Klitschkos reflektiert und in recht amüsanter Weise werden die frühen Lebensjahre beschrieben. So erfährt der Leser zum Beispiel, wie Wladimir lernen musste, sich gegenüber seinem älteren Bruder Vitali durchzusetzen. Dann werden die wichtigsten Grundsätze im Leben Wladimir Klitschkos in sieben Abschnitten unter dem Titel „Ergo sum“ („Also bin ich“) vorgestellt. „Ergo sum“ setzt sich aus sieben Buchstaben zusammen, jeder Buchstabe steht für ein Lebensmotto Klitschkos: Expertise (Erfahrungen), Rightness (Richtigkeit), Globalism (Globalisierung), Optimism (Optimismus), Sustainability (Nachhaltigkeit), Uncomplexity (Einfachheit) und Maximum (Maximum). Die Botschaft Klitschkos ist einfach: Vorbildfunktion, Überzeugungskraft, Leidenschaft und Integrität.

Auf 100 Seiten breitet Klitschko dann im zweiten Teil des Buches, aus der Perspektive des Sportlers und Geschäftsmanns, zwölf Kernthesen für „Challenge Management“ aus:

• Coopetition ermöglichen und nutzen.

• Progressiv denken und mutig handeln.

• Aus Niederlagen lernen und Potenzial daraus ziehen.

• Eigene Erfolge nutzen und Andere teilhaben lassen.

• Langfristig planen und kontinuierlich Leistung erbringen.

• Auszeiten zur Reflexion nutzen.

• Auf Wesentliches fokussieren.

• Auf eigene Kompetenzen vertrauen.

• Potenzial identifizieren und nutzbar machen.

• Höchstleistung explosiv abrufen.

• Organisationsstrukturen schaffen.

• Stärken und Schwächen des Gegners kennen und nutzen.

Im Anschluss daran beschreiben seine zwölf Gastautoren ihre Sichtweise auf diese Kernthesen des (Business-)Lebens. Zu den Autoren zählen Frank Dopheide (Markenfachmann und Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt), Rolf Schumann (Global Manager bei SAP), Miriam Goos (Neurologin und Unternehmerin), Jens Schmelzle und Torsten Bittlingmaier (beides Start-up Gründer), Leopold Hoesch (Filmproduzent) und Astrid Schulte (Agenturleiterin). Alle ergänzen Klitschko dabei mit interessanten eigenen Reflektionen. Das Buch überrascht, denn neben dem Spitzensportler Wladimir Klitschko gibt es also auch den erfolgreichen und talentierten Geschäftsmann Wladimir Klitschko. Vielleicht ist der Schreibstil mitunter ein wenig pathetisch. Klitschko scheint ständig auf der Suche nach Großem zu sein. Aber er ist ein sympathischer Grenzgänger; er lotet gern aus, was in ihm steckt: physisch wie mental. Das Buch macht auch Mut, denn der Autor zeigt, dass es sich lohnt, nach Niederlagen aufzustehen, denn daraus kann man gestärkt hervorgehen. Klitschko lebt nach der Maxime: Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Das von Dieter Thomaschewski und Rainer Völker herausgegebene Buch über „Wachstum im Wandel“ hat den Untertitel „Herausforderungen für die Unternehmensführung im 21. Jahrhundert“. Thomaschewski lehrt Management an der Hochschule Ludwigshafen. Völker vertritt an der gleichen Hochschule das Fach Unternehmensführung. Gemeinsam leiten sie das an der Hochschule Ludwigshafen ansässige Institut für Management und Innovation (IMI). Die beiden Herausgeber und 21 Autoren – darunter finden sich Praktiker aus Industrie- und Handelsunternehmen, Berater und Hochschullehrer – suchen in dem Buch gemeinsam nach Antworten auf aktuelle Fragen zur Unternehmensführung. Den Herausgebern ist es gelungen, die einzelnen Beiträge in eine Grundstruktur einzubetten; so wirkt das Buch in sich geschlossen. Es ist in fünf Hauptabschnitte unterteilt. Zunächst geht es um „Wachstum im Wandel – Eine Einführung“. Auf rund 40 Seiten beschreiben die beiden Herausgeber hier die globalen Wachstumstreiber und Möglichkeiten zur Ausgestaltung des Wandels im Allgemeinen. Im zweiten Teil „Wachstum im Wandel als Herausforderung für die Entwicklung der Unternehmensstrategie“ finden sich Ausführungen zu disruptiven Innovationsstrategien oder Möglichkeiten zur Ausgestaltung des Strategischen Managements. Die Praxisbeispiele beziehen sich auf die Allianz Versicherung und ein mittelständisches Chemieunternehmen. Im dritten Kapitel „Funktionale Ausprägung des Wachstums im Wandel“ berichten die Autoren, wie fertigungstechnische Neuerungen im Sinne von Industrie 4.0 oder der Einsatz moderner Logistik-Lösungen auf die Festschreibung moderner Unternehmensstrategien wirken. In Praxisbeispielen geht es um die Funktionen Forschung und Entwicklung sowie IT. In einem Beitrag wird das Thema Technologisches Sponsoring behandelt: Sportsponsering mit Hilfe digitaler Lösungen: Connectivity, RFID und Virtual Reality. Connectivity steht dafür, dass Geräte, die mit Wi-Fi (Wireless Fidelity) ausgestattet sind, selbständig WLAN-Signale empfangen können. RFID (Radio-Frequency-Identification) bedeutet, Gegenstände mit kleinen Transpondern zu versehen, die Funksignale zur Identifikation von Gegenständen nutzen. Diese Chips dienen zur Diebstahlsicherung, als Wegfahrsperre in Autos, zur Zeitmessung beim Marathon oder gewährleisten die Mauterfassung. Bei Virtual Reality werden beispielsweise Datenbrillen getragen, um in eine virtuelle Spielewelt abzudriften oder Fallschirmsprünge zu simulieren. Auf knapp 50 Seiten geht es im nächsten Kapitel „Steuerung und Controlling des Wachstums- und Wandlungsmanagements“ um neuere Entwicklungen von Business Intelligence Systemen, die zur Sammlung, Auswertung und Darstellung unternehmensbezogener Daten in elektronischer Form dienen. In einem weiteren Beitrag beziehen sich die Verfasser auf die Nutzung von Enterprise Performance Management Systemen. Darunter sind moderne Konzepte zur Leistungsbewertung zu verstehen, die in aller Regel geeignete Kennzahlen zur Steuerung nutzen (wie die Balanced Scorecard). Im letzten Kapitel „Organisation, Führung und Kultur als Voraussetzung zur erfolgreichen Gestaltung von Wachstum und Wandel“ wird der Einfluss moderner Managementkonzepte (Total Quality Management, Business Reengineering, Change Management) auf die Ausgestaltung der Organisationsstruktur eines Unternehmens behandelt. In diesem Kapitel finden sich auch „weiche“ Themen: So geht es um den Wandel in der Unternehmenskultur generell oder neue Formen des Mitarbeitereinsatzes und daraus abgeleitete Konsequenzen für eine zeitgemäße Unternehmensführung.

Die Autoren liefern eine Vielzahl von Ideen, wie Unternehmen in Zeiten zunehmender Veränderungsdynamik von Märkten und Technologien bestehen können. Dabei sind Ausführungen zur theoretischen Fundierung und Praxisbeispiele im Verhältnis wohl dosiert.

Prof. Dr. Hartmut Werner wurde im Anschluss an seines wirtschaftswissenschaftliches Studium Assistent des Finanzvorstands beim Handelsunternehmen JVC Germany. Anschließend wechselte er in die Industrie zu Continental Automotive Systems. Dort durchlief er in führenden Positionen die Bereiche Zentralcontrolling, F&E-Controlling, Einkaufscontrolling, Projektcontrolling, Logistikcontrolling, Zentrale Logistik und Leiter Werkslogistik. Während dieser Zeit erfolgte die externe Promotion zum „Strategischen Forschungs- und Entwicklungscontrolling“. Seit 1998 lehrt Prof. Werner Controlling und Logistikmanagement an der Hochschule RheinMain (Wiesbaden Business School). Hartmut.Werner@hs-rm.de

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