Biografien

Milan Soklic, Faustus Verantius

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 1/2019

Soklic, Milan (2017): Faustus Verantius. Eine Biografie. Nostrum Verlag Mülheim, 150 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-9816-4656-6. € 18,00

Schon einmal etwas von Faustus Verantius gehört? Höchstwahrscheinlich nicht. Aber das hat der Diplomat, Linguist und Technikforscher nicht verdient, der 1551 im dalmatinischen Sibenik geboren wurde und 1617 in Venedig starb. Seine Ausbildung erhielt er in Venedig und an der Universität Padua. Faustus Verantius – kroatisch Faust Vrancic – ist eine bedeutende Persönlichkeit der Übergangszeit von Spätrenaissance und Humanismus hin zur Gegenreformation, in der die katholische Kirche, insbesondere mit dem Jesuiten-Orden, versuchte, auf dem Feld der Wissenschaft verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Faustus Verantius gehört zur gleichen ‚Liga‘ wie die weit bekannteren Humanisten Phillip Melanchthon, Erasmus von Rotterdam oder Sebastian Münster.

Faustus Verantius war nicht nur Universalgelehrter, sondern auch Diplomat im Dienst von Kaiser Rudolf II, für den er in Prag von 1581–94 als Berater für Südosteuropa tätig war. Dort war das Osmanische Reich weit nach Norden vorgedrungen und kontrollierte den Osten Kroatiens und weite Teile Ungarns und des heutigen Rumänien. Die Lage wurde noch dadurch verkompliziert, dass sich der Adel Ungarns und auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens der Reformation angeschlossen hatte. Um die Türken militärisch zurückzudrängen, mussten die katholischen und protestantischen Kräfte im Südosten und im Reich insgesamt zusammenwirken. Daran arbeitete Faustus Verantius über 13 Jahre hinweg. Aber seine Bemühungen scheiterten, weil die Partei der Gegenreformation in Österreich den Krieg gegen die Türken benutzte, um die Re-Katholisierung voranzutreiben. Trotz langwieriger militärischer Auseinandersetzungen konnte das Osmanische Reich nicht zurückgedrängt werden und behielt seine dominierende Stellung in Südosteuropa. Unter dem politischen Misserfolg, für den er aber gar nicht verantwortlich war, litt Faustus Verantius schwer.

Nach seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst für Kaiser Rudolf II, widmet sich Faustus Verantius hauptsächlich seinen wissenschaftlichen Studien. Er verfasste ein fünfsprachiges Wörterbuch, das 5000 Begriffe in Latein, Italienisch, Deutsch, Kroatisch und Ungarisch enthielt. Nach seiner Zeit in Prag lebte Faustus Verantius in Sibenik, Rom und Venedig. Es gelang ihm, Einsicht in Leonardo da Vincis Nachlass wissenschaftlich-technischer Zeichnungen zu nehmen. Dies war wohl die Inspiration für sein reich bebildertes Buch Machinae Novae, das Maschinen zur Nutzung von Wind- und Wasserkraft, Brückenkonstruktionen, Uhrwerke, hydrologische Projekte und einen Fallschirmprototyp behandelte. Machinae Novae wurde von jesuitischen Missionaren am chinesischen Kaiserhof benutzt, um die wissenschaftlich-technischen Leistungen zu demonstrieren, die das Christentum ermöglicht habe. Tatsächlich wurden Teile von Verantius‘ Werk ins Chinesische übertragen. Wer über Faustius Verantius mehr erfahren will als ein Wikipedia-Eintrag hergibt, der ist mit Milan Sokliks Biographie gut bedient. Der in Pula lebende Verfasser ist Schriftsteller und Übersetzer. Das Buch ist folglich kein Werk akademischer Historiographie, sondern eine Biografie, die das Leben des Faustius Verantius mit seinen familiären Komplexitäten, Erfolgen und Schicksalsschlägen lebendig erzählt. Mit dem sehr gründlich recherchierten und gut lesbaren Buch wird eine (eigentlich peinliche) Wissenslücke gefüllt. (ml) ˜

Dr. Michael Liebig (ml) ist Politikwissenschaftler und Lehrbeauftragter am Südasien-Institut, Universität Heidelberg.

m.liebig@uni-heidelberg.de

 

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