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Der Ergon Verlag

Aus: fachbuchjournal Ausgabe 5/2018

Profil und Geschichte

Ergon ist ein geistes- und sozialwissenschaftlicher Fachverlag mit fast dreißigjähriger Tradition und internationalem Renommee. Jährlich erscheinen rund 80 Werke ausgesuchter Forschungsliteratur. Das Portfolio erstreckt sich auf die Fachbereiche Philosophie, Politikwissenschaft, Geschichte, Recht, Religionswissenschaft, Pädagogik, Soziologie, Orientalistik, Literaturwissenschaft, Kunst- und Altertumswissenschaft sowie Informationswissenschaft. Ergon wurde 1989 von Dr. Hans-Jürgen Dietrich in Würzburg gegründet und widmete sich zunächst der publizistischen Betreuung der Rückert-Gesellschaft in Schweinfurt.

Bedeutungs voll für die Verlagsentwicklung war die Edition der herausragenden Koranübersetzung Friedrich Rückerts, die große Aufmerksamkeit in der Fachpresse erhielt. Nachdem die Schwerpunkte der Verlagsarbeit zunächst auf Orientalistik und Literaturwissenschaft lagen, weitete sich das Programm im Laufe der Zeit im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften kontinuierlich aus.

Hier gibt es noch den so genannten „Maßanzug”, das in Ausführung und Abwicklung individuell auf die Bedürfnisse des Publizierenden zugeschnittene Buchprojekt.

Heute betreut Ergon zahlreiche Schriftenreihen von Universitäten und Forschungseinrichtungen, beispielsweise der Orient-Institute (Max Weber Stiftung) in Beirut und Istanbul, des Sonderforschungsbereichs 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen an der Universität Freiburg oder des Exzellenzclusters Religion und Politik an der Westfälischen WilhelmsUniversität Münster. Die International Society of Knowledge Organization (ISKO) publiziert nicht nur ihre achtmal im Jahr erscheinende Zeitschrift Knowledge Organization bei Ergon, sondern auch Tagungsbände und Monographien.

Ergon in der Nomos Verlagsgesellschaft

Seit Juli 2017 ist Ergon Teil der Nomos Verlagsgesellschaft und wird dort als eigenständiger Verlag weitergeführt. Im jüngst fertiggestellten Anbau am Nomos Hauptgebäude in Baden-Baden hat die neue Verlagsschwester einen attraktiven Standort gefunden. Mit einem engagierten Team aus erfahrenen und neu hinzugewonnenen Kräften wird das ErgonProgramm nun gezielt weiterentwickelt. Unter anderem wird dem stark vertretenen Fachgebiet der Orientalistik die Byzantinistik an die Seite gestellt, Kunst- und Altertumswissenschaften werden ausgebaut sowie Musik- und Theaterwissenschaft installiert. Neu gegründet wurde Diyâr, eine interdisziplinäre und Regionen übergreifende Fachzeitschrift, die von der Gesellschaft für Turkologie, Osmanistik und Türkeiforschung e. V. (GTOT) herausgegeben wird. Diyâr beschäftigt sich unter anderem mit Geschichte, Sprachen und Kulturen der Türkei, des Osmanischen Reiches und seiner Nachfolgestaaten, Irans, Zentralasiens und des Kaukasus sowie weiterer turk- und iranischsprachiger Volksgruppen. Die erste Ausgabe wird im Frühjahr 2019 erscheinen.

Verlagsphilosophie

Insbesondere im Bereich der Autorenbetreuung wird Ergon die bisherige Verlagsphilosophie weiter pflegen. Hier gibt es noch den so genannten „Maßanzug”, das in Ausführung und Abwicklung individuell auf die Bedürfnisse des Publizierenden zugeschnittene Buchprojekt. Diese Betreuungsqualität, die insbesondere die langjährigen Ergon-Kunden schätzen, soll auch weiterhin erhalten bleiben. Viele Verbindungen zu Forschungsinstitutionen bestehen schon sehr lange. Diese Kunden sind Ergon treu geblieben, weil sie hier Leistungen erhalten, die anderswo nicht mehr selbstverständlich sind. Dazu gehört zum einen die individuelle grafische Gestaltung der Produkte, ein sorgfältiger Satz und die engagierte Kundenberatung in jedem Stadium des Publikationsprozesses. Für die Herstellung von Werken aus dem Bereich der Orientalistik steht mit Thomas Breier ein erfahrener Arabist zur Verfügung, der die besonderen Anforderungen im Schriftbild kompetent zu erfüllen versteht. Durch den Anschluss an Nomos sind nun zusätzliche Ressourcen verfügbar, die für eine günstige Verlagsentwicklung genutzt werden können. So wird die starke Marketing-Abteilung des Hauses eine engagierte Bewerbung der Titel in einschlägigen Fachorganen gewährleisten ebenso wie der international gut vernetzte Vertrieb und die Herstellungsabteilung von Nomos künftig auch für Ergon zur Verfügung stehen werden.

Neue Chancen durch digitale Wissensvermittlung

Mit dem Übergang von Ergon in die Nomos Verlagsgesellschaft finden die Titel des Verlags nun auch Aufnahme in die Nomos eLibrary. Über diese hochentwickelte Internet-Plattform, die bereits seit sechs Jahren besteht, sind inzwischen mehr als 8.500 Buchpublikationen und 2.500 Zeitschriftenhefte zugänglich. Hohe Benutzerstandards, breit gefächerte, qualitätvolle Inhalte und ein engagiertes Marketing sichern der Nomos eLibrary eine exzellente Resonanz unter den Fachbibliotheken weltweit. Mit der digitalen Verbreitungsform besitzt nun auch Ergon die Möglichkeit, die internationale Sichtbarkeit seiner Wissenschaftstitel zu gewährleisten – ein maßgeblicher Schritt in die Zukunft. Ausgewogene Finanzierungsmodelle für Open Access-Stellung sollen das Angebot abrunden und den Verlag für Forschungsinstitutionen noch attraktiver machen.

Ergon in diesem Herbst

Wissenschaftsliteratur auf höchstem Qualitätsniveau und in hochwertiger Ausstattung – das ist der Anspruch, mit dem das Ergon-Programm auch in diesem Herbst antritt. Der von Leibnitz-Preisträger Thomas Bauer und Anke Osigus herausgegebene Band Der Dīwān des Ibrāhīm al-Mi‘mār macht erstmalig das Werk eines der bedeutendsten arabischen Dichter des 14. Jahrhunderts in kommentierter Übersetzung zugänglich und liefert einen maßgeblichen Beitrag zur kulturgeschichtlich orientierten arabischen Sprachwissenschaft. Mit einer Publikation zu Diversity and Contact among SingerPoet Traditions in Eastern Anatolia führt das Orient-Institut Istanbul seine bereits fünf einschlägige Bände umfassenden musikhistorischen Untersuchungen fort.

An aktuelle gesellschaftliche Diskurse knüpft Asligül Aysels Untersuchung Vom „Gastarbeiter“ zum „Deutschtürken“ an. Die Autorin nimmt darin Einblick in die Lebenswelt türkischer Familien in Duisburg und hinterfragt Transformationsprozesse im Selbstverständnis der Generationen. Der von Béatrice Hendrich herausgegebene Band Muslims and Capitalism wiederum greift das zwiespältige Verhältnis des Islam zu westlichen Wirtschaftssystemen auf und thematisiert die Möglichkeit eines „dritten Weges“ zwischen Kommunismus und Kapitalismus, der muslimischen Gesellschaften eine unabhängige Entwicklung zu Wachstum und Wohlstand sichern soll. Auch die Frage nach den historischen Quellen von Geschlechterrollen stellt sich immer wieder aufs Neue. So werden im Sammelband God‘s Own Gender?, herausgegeben von Daniel Gerster und Michael Krüggeler, die religiösen Voraussetzungen von Männlichkeitsbildern in unterschiedlichen Kulturkreisen untersucht, während in Tracing the Heroic through Gender, einer Veröffentlichung des Sonderforschungsbereichs 948 an der Universität Freiburg, der Vielfalt und dem Wandel geschlechterbedingter Heroisierungskonzepte nachgespürt wird. Einen maßgeblichen Akzent im aktuellen Verlagsprogramm setzt auch die fünfte, durchgesehene und neu gestaltete Auflage der bedeutenden Koran-Übersetzung Friedrich Rückerts. Rückert, dem großen deutschen Dichter und Mitbegründer der europäischen Orientalistik, gelang es, die Reimform des Koran mit zu übertragen. Seine Übersetzung bietet die einzigartige Möglichkeit, sich dem Surentext nicht nur über dessen Inhalt, sondern auch über die Qualität seiner Sprache zu nähern. Die Neuausgabe dieses Werkes, das den Aufschwung von Ergon einst begründete, steht nun auch am Anfang einer neuen Ära in der Verlagsgeschichte.

Holger Schumacher ist seit Juli 2018 Programmverantwortlicher des Ergon-Verlags. Der studierte Kunsthistoriker war vor seiner Verlagstätigkeit in einem interdisziplinären Forschungsprojekt an der Schola Cantorum Basiliensis, Fachhochschule Nordwestschweiz, tätig. holger.schumacher@ergon-verlag.de

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