Der Weg des Westens ins 21. Jahrhundert

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ISBN: 
978-3-17-032467-1
Untertitel: 
von Heinz Theisen
Der Westen und die neue Weltordnung
Autor(en): 
Heinz Theisen
Verlag: 

W. Kohlhammer GmbH
Buchverlag
Anschrift
W. Kohlhammer GmbH
70549 Stuttgart
Hausanschrift
Heßbrühlstraße 69
70565 Stuttgart
Tel.: 0711 7863-0
Fax: 0711 7863-8204
E-Mail: kohlhammerkontakt@kohlhammer.de
URL: www.kohlhammer.de

Buchangaben: 

Auflage: 1. Auflage
Seiten: 181
Illustrationen etc.: 18 Abb.
Erschienen: 2017
Maße:195mm x 120mm x 10mm
Preis: EUR 26,00

„Was der Westen ist“, diese Frage stellt sich im 21. Jahrhundert besonders. Denn das letzte Viertel Jahrtausend war wie Heinrich August Winkler festgestellt hat, der ...

„lange Weg des Westens“ zu sich selbst. Demokratie, Individualität und universelle Werte sind die Grundpfeiler dieser Werteordnung. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg war durch die dominierende Rolle der USA der westliche Way of Life derart attraktiv, dass die meisten Staaten und Gesellschaften so werden wollten wie die des Westens.

Das Jahrhundert des Westens
Der Westen selbst glaubte seine eigenen Werte und wollte durch sein Handeln den weniger begünstigten Gesellschaften sein Erfolgskonzept bringen. Die Kriege im Nahen Osten, der Irakkrieg von 2006 und der Afghanistankrieg legen von der Hoffnung, dem Scheitern und der unlösbaren Konfliktsituation heute beredt Zeugnis ab. Auch die anderen Versprechen des Westens, die fortschreitende Entwicklung der Gesellschaften durch freie und ungehinderte wirtschaftliche Zusammenarbeit haben durch Globalisierung und die (westliche) Finanzkrise seit 2008, haben sich nicht bewahrheitet. Vielmehr führte der Anspruch des Westens seine Werte universell, also in der ganzen Welt zu verbreiten, zu einigen der heutigen Probleme: Nahostkonflikt, Afghanistan, Polarität zwischen Russland und „dem“ Westen, die Koreafrage, um nur einige zu nennen.
Innere Konflikte in westlichen Gesellschaften
Aber nicht nur außerhalb Europas und Amerikas nehmen die Probleme zu, auch innerhalb der westlichen Gesellschaften knirscht es. In Europa, wenn auch nicht in Deutschland, regieren Arbeitslosigkeit, hohe Staatsverschuldung und ein im Verhältnis eher gleichbleibende bis sinkende Wirtschaftsschöpfung. Die Lage besonders in Griechenland, aber auch in Italien und Spanien ist für die Jugend deprimierend bis hoffnungslos – und die Krise ist nicht überwunden, sie ruht gerade nur und wird sich mit der „Zinswende“ der Europäischen Zentralbank wieder verschärfen. Die Verteilungskonflikte zwischen Einkommensmillionären und dem „einfachen“ Arbeiter, der Eindruck eines „Staatsversagens“ in der „Migrationskrise“ 2016 und mangelnde gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit fordern den Westen auf vielen Ebenen heraus.
Begrenzung des Entgrenzten
Der Westen braucht eine neue Strategie: Eine Koexistenz der Mächte sollte an die Stelle der Universalisierung seiner Werte und Strukturen treten. In einer Multipolaren Weltordnung müssten China und die USA, Russland und die EU „frenemies“ werden, die trotz aller politischen Differenzen und trotz ihrer wirtschaftlichen Konkurrenz die Welt gemeinsam ordnen.
Zum einen führt ein „Demokratieexport“ nicht automatisch zu einem besseren Staat, vielmehr muss – so ein politikwissenschaftliches Credo – die Struktur des politischen Systems zur politischen Kultur passen, eine Demokratie erfordert das Einüben demokratischer Strukturen, dass ein Machthaber freiwillig und ohne Gewalt nach einer Wahlniederlage abtritt, die Ministerien weiterarbeiten und sich nicht politisch betätigen, sondern der kontinuierlichen Verwaltungsarbeit widmen. Zum anderen: Das 21. Jahrhundert kennt neue Großmächte, das wiedererstarkte China, Russland, das es zwar wirtschaftlich nicht mit dem Westen aufnehmen kann, aber aufgrund seiner Militärmacht und seinem neuen Willen, sich in den internationalen Konflikten mit eigenen Truppen wie in Syrien einzumischen, neue Pole der internationalen Ordnung schafft.
Die Welt im 21. Jahrhundert
Welche Rolle Indien, die afrikanischen Staaten oder die Staaten Südamerikas einnehmen werden, scheint offen – nur so bleiben wie es war, wird es sicher nicht. Daher sollte der Westen seine Vorteile in der internationalen Zusammenarbeit suchen, seine Mitarbeit an der Suche nach konfliktlösenden Strategien anbieten, aber dabei sich bewusst sein, dass er nur ein Akteur unter vielen ist. Die Realität zwingt dazu. Selbst mit der heute autokratisch regierten Türkei unter Erdogan, in der die westlichen Werte kaum mehr Bedeutung haben, muss die EU doch weiter für den „Flüchtlingspakt“ bezahlen, um sich gegen die Migration zu wappnen. Dieses Vorgehen mit doppelten Standards ist im Umgang mit China Jahrzehnte erprobt worden und belegt, dass sich vorsichtiges Handeln letztlich auszahlen kann. Eine Alternative gibt es wohl nicht, denn die Rolle des Weltpolizisten USA ist definitiv vorbei, autokratische Systeme wie die Türkei, die zentralasiatischen Republiken oder Diktaturen wie in Simbabwe werden nicht einfach verschwinden oder durch Appelle der westlichen Demokratien zusammenbrechen. Pragmatismus und eine Rückbesinnung auf die eigenen Möglichkeiten, aber auch auf seine Grenzen, täten der westlichen Welt gut.
Die irrlichternde Politik der USA unter Donald Trump zwingt die Europäische Union umso mehr, sich über ihre Aufgaben und vor allem ihre Grenzen zu verständigen. Dies könnte dann auch bei der Nato zu einer neuen Strategie der Selbstbegrenzung nach außen und Selbstbehauptung nach innen überleiten.

Heinz Theisen
Der Westen und die neue Weltordnung
978-3-17-032467-1
LP € 26,-
181 Seiten, 18 Abb.

Autoreninfo:
Professor Dr. Heinz Theisen lehrt Politikwissenschaft an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln.

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